Amerika 2014 // Tag 9: Achtung, Bären!

Heute heißt es sehr früh am Morgen „Husch, husch aus den Federn!“. Wir wollen zum über 3.000 km² großen Yosemite National Park, dessen bekanntester Bereich das Yosemite Valley ist.[1] Bis dorthin haben wir ein paar Stunden Fahrt vor uns. An den Sommerwochenenden kann der Andrang laut unseres Reiseführers so hoch sein, dass es auf der Strecke zu Rückstau kommt und die Einfahrt gesperrt wird.

Aber das scheint glücklicherweise heute nicht der Fall zu sein. Stattdessen genießen wir die streckenweise atemberaubende Anfahrt zum Nationalpark: Die engen, abzweiglosen Straßen führen direkt am Merced River entlang und schlängeln sich durch die riesigen Felsformationen – gefühlt brauchen wir nur die Hand ausstrecken und können sie rechts oder links neben uns berühren.

Als wir den Parkeingang schließlich erreichen und die $45 Eintritt ($25 pro Auto und $10 pro Person)[1] entrichtet haben, steuern wir direkt den Zentralparkplatz südlich des Yosemite Villages an. Von dort aus verkehrt das ganze Jahr der kostenlose Valley Shuttle, der alle wichtigen Punkte und Trails (Wanderwege) im östlichen Tal anfährt.[2]

Der erste, relativ einfache Trail führt uns zum Wasserfall Vernal Fall, den man sich laut Yosemite Guide auf keinen Fall entgehen lassen soll. Da wir uns erst am Übergang von Frühjahr zu Sommer befinden, ist das Wasser noch nicht versiegt und der Wasserfall bietet ein wirklich tolles Naturschauspiel. Der 1,5 Kilometer lange „Vernal Falls Mist Trail“ bergauf ist aufgrund der 30°C im Schatten jedoch recht beschwerlich und dauert knapp über eine Stunde. Das Baden in den Pools und das „Plantschen“ auf der als Rutschbahn nutzbaren Felsfläche hinter den Vernal sowie den sich anschließenden Nevada Falls ist aufgrund mehrerer Unfälle leider mittlerweile verboten.[3] Aber der feine Nieselregen, den das den Berg hinab stürzende Wasser erzeugt, sorgt auch so für eine willkommene Abkühlung.

Zu den Nevada Falls wären es von hier aus weitere 1,5 Stunden Fußmarsch, weshalb wir beschließen, stattdessen den Rückweg anzutreten. Diese Entscheidung bereuen wir keine Sekunde, denn die Hitze verlangt uns Einiges ab. Obwohl sich der Abstieg einfacher gestaltet als der Aufstieg, sind regelmäßige Trinkpausen unverzichtbar.

Wir staunen nicht schlecht, als uns auf halbem Weg ein Mann mit Kinderwagen entgegenkommt und uns fragt, wie weit es noch bis zum Wasserfall sei. Puh, er hat sich echt viel vorgenommen. Wir drücken ihm die Daumen, dass er es bis ganz nach oben schafft – Take care!

Wieder am Sockel des Berges angekommen, legen wir eine ausgiebige Vesperpause ein. Das frühe Aufstehen fordert in gewissem Maße seinen Tribut, sodass wir der Müdigkeit, die sich über uns legt, für einen kurzen Moment nachgeben müssen. Glücklicherweise wachen wir rechtzeitig wieder auf – bevor uns die herumflitzenden, neugierigen Squirrels unser ganzes Essen stibitzen.

Am Nachmittag können wir unser sogenanntes Tent Cabin in Curry Village beziehen, wo wir die Nacht verbringen werden. Es ist eine Art spartanisch eingerichtetes Zelt mit zwei bis drei Liegen. Allerdings gelten sowohl im und vor dem Zelt als auch im gesamten Camp-Bereich sehr strenge Sicherheitsvorkehrungen, da neben (eher harmlosen) Mäusen auch Bären zu den regelmäßig gesichteten Campbesuchern zählen. Sie werden leider immer wieder von den verschiedenen Menschen- und Essensgerüchen angelockt.

Die Sicherheitsvorkehrungen besagen zum Beispiel, dass vor dem Zelt weder gegessen noch Duschartikel, Zahnpasta oder Deo benutzt werden darf. Jegliche Utensilien müssen über Nacht in einem abschließbaren kleinen Container vor dem Tent Cabin, dem sogenannten „Bearproof Food Locker“, verstaut sein.

Die Richtlinien betreffen auch das auf dem Parkplatz abgestellte Fahrzeug. Weder im noch um das Auto herum darf gegessen werden. Wie wir erfahren, haben Bären eine feine Nase und unvorstellbare Kräfte. In den Sicherheitsvideos, die überall im Camp als Warnung gezeigt werden, sehen wir auf sehr eindrückliche Weise, zu was ein Bär fähig ist: In Nullkommanix reißt er Autotüren auf und richtet immensen Schaden an – teilweise auch nur, weil er eine kleine blaue Wasserflasche im Fahrzeuginneren für etwas Essbares hält.


Fazit: Mit den Shuttle-Bussen lässt sich der Yosemite National Park ganz einfach und bequem erkunden. In dem zu Beginn ausgehändigten Yosemite Guide sind alle Trails mit Schwierigkeitsgrad und Länge angegeben, sodass man sich genau die Wege und Sehenswürdigkeiten raussuchen kann, die der eigenen Lust oder Kondition entsprechen.

Die Sicherheitsvorkehrungen und Warnungen vor den Bären sind überall im Valley und im Camp-Bereich präsent. Für den eigenen Schutz ist es ratsam, sich mit diesen vertraut zu machen, um im Notfall gewappnet zu sein. Dennoch braucht man sich zu keiner Zeit unsicher oder ängstlich fühlen. In der Nacht gehen Camp-Rancher sogar regelmäßig Patrouille.

Quellenangaben:
[1] USA Südwesten, Reise Know-How-Verlag, 2014, ISBN 978-3-89662-178-8, Seite 628
[2] USA Südwesten, Reise Know-How-Verlag, 2014, ISBN 978-3-89662-178-8, Seite 629
[3] USA Südwesten, Reise Know-How-Verlag, 2014, ISBN 978-3-89662-178-8, Seite 635

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