Amerika 2014 // Tag 13: L.A., die Stadt der Stars und Sternchen

Ein erster Unterschied zwischen Los Angeles (kurz: L.A.) und San Francisco wird uns direkt am Morgen bewusst: Im Gegensatz zu San Francisco ist es, wie wir an der Rezeption unseres Motels erfahren, nicht empfehlenswert, Los Angeles mit öffentlichen Verkehrsmitteln und zu Fuß zu erkunden. Nur wenige Sehenswürdigkeiten befinden sich in direkter Nähe zueinander und der Nahverkehr ist nur unzureichend dafür ausgelegt (die Busse sind langsamer als das Auto, die Haltestellen befinden sich in der prallen Sonne und die Innenräume kommen einem Kühlschrank gleich).[1] Zudem gibt es anscheinend ein paar Stadtteile, wie Compton oder Watts, die man eher meiden sollte.[2] Nach einem verständnislosen Blick des Rezeptionisten zu unserem Vorhaben rät uns dieser dringend davon ab. Wir vertrauen auf seine Einschätzung und cruisen daher – etwas widerwillig mit unserem Auto – bei wunderschönstem Wetter nach Hollywood, zur filmischen Ursprungsstätte.

1911 entstand in Hollywood das erste Filmstudio Kaliforniens.[3] Heute arbeiten nur noch wenige große Filmproduktionsgesellschaften hier. Unter ihnen „Paramount Pictures“ (5515 Melrose Ave, Los Angeles). Obwohl das gesamte Produktionsgelände durch meterhohe Mauern abgeriegelt ist, lässt sich von Weitem der berühmte Wasserturm ausfindig machen und das imposante Eingangstor in Augenschein nehmen. Einen Blick hinter die Kulissen bieten die angebotenen Studiotouren; Kostenpunkt ab $48 (Website).

Um Hollywood nicht nur durch das Autofenster zu sehen, ergattern wir in einer der Seitenstraßen mit viel Glück einen Parkplatz und schlendern zu Fuß in Richtung Hollywood Boulevard. Schneller als gedacht stehen wir mitten auf dem Walk of Fame – obwohl der Hollywood Boulevard noch nicht mal zu erahnen ist. Wir wussten zu diesem Zeitpunkt nicht, dass die in schwarzen Terrazzo-Belag eingelassenen rosa Mamor- und Messingsterne fast eine ganze Meile Bürgersteig einnehmen und sich bis auf die Vine Street erstrecken.

Am Hollywood Boulevard angekommen, befinden wir uns eigentlich auf dem Gehsteig einer ganz normalen Geschäftsstraße. Einziger Unterschied: die Massen an (zumeist fotografierenden) Touristen. Ohne genaues Ziel folgen wir einfach dem Walk of Fame. Nach ein paar Minuten merken wir, tatsächlich in Hollywood zu sein: Auf der gegenüberliegenden Straßenseite flitzt wie selbstverständlich ein Kamerateam vorbei. Ein Blockbuster scheint es nicht zu sein. Aber immerhin – ein Live-Drehtag!

Ein weiteres Highlight erwartet uns am TCL Chinese Theatre (6925 Hollywood Blvd, Hollywood), das früher nach dem einstigen Eigentümer benannt und unter dem Namen „(Sid) Grauman’s Chinese Theatre“ bekannt war. Es ist das bekannteste Filmtheater der Welt. Nicht zuletzt weil auf dessen Vorplatz seit 1927 über 200 Stars und Sternchen ihre Fuß- und Handabdrücke in weichen Zement gedrückt und diese zumeist mit einem netten Gruß an Sid signiert haben.[4] Als wir über den Vorplatz des Theaters laufen, finden wir viele uns bekannte Showgrößen: von Harrison Ford und Harry Potter über Eddie Murphy und Jack Lemmon bis hin zu Star Wars und Whoopi Goldberg.

Immer wieder entdecken wir weitere bekannte Künstler und ihre persönlichen Botschaften. Nur mit viel Überwindung können wir uns von den Zementplatten losreißen. Vom Chinese Theater gelangt man rechts per Rolltreppe direkt in einen riesigen Komplex, in das Hollywood & Highland Center mit dem Dolby Theater, in dem alljährlich die Oscar-Verleihung stattfindet. Wie wir leider erst im Nachhinein erfahren, soll der Hollywood-Schriftzug auf den Hollywood Hills, auf den wir während unseres Streifzuges immer wieder zwischen den Häusern einen tollen Blick erhaschen können, am besten von der Terrasse des Hollywood & Highland Centers zu sehen sein.[5]

Auf dem Rückweg zu unserem Auto stehen wir an einer Fußgängerampel und sehen vor uns „Ripley’s Believe It or Not!“ (6780 Hollywood Blvd, Hollywood). In dem Museum gibt es Seltsames, Weltrekorde und Naturwunder zu sehen – Getreu dem Slogan „Glaube es oder nicht“. Neben einem einäugigen Lamm und dem größten, jemals gelebten Mensch sind jede Menge weitere Kuriositäten vertreten. Uns fasziniert vor allem das auffällige und unübersehbare Gebäude. 🙂

Nach einer kurzen Verschnaufpause im klimatisierten Auto fahren wir zum Rodeo Drive nach Beverly Hills. Bekannt aus dem Film „Pretty Woman“ ist diese berühmte Straße, zumindest für Frauen, ein kleines Sightseeing-Muss. Statt nur kurz an den Highsociety-Läden vorbeizufahren, wagen wir uns tatsächlich als „einfache Menschen“ unter die „Schönen und Reichen“. Wir fühlen uns dabei auf der einen Seite wie im Film und sind berauscht von dem uns umgebenden „Bling-Bling“. Auf der anderen Seite fühlen wir uns sehr deplatziert. Links und rechts von uns reiht sich ein Luxusladen an den anderen: Gucci, Prada, Tiffany – alle bekannten Marken locken mit ihren sparsam dekorierten Schaufenstern die finanzkräftige Kundschaft an. Wohl wissend, dass wir nicht zu dieser gehören.

Alles wirkt irgendwie grotesk auf uns. Vor allem als wir auf einer Bank einen älteren, obdachlosen Mann sehen. All seine Habseligkeiten schiebt er in einem Supermarkt-Einkaufswagen vor sich her. Mitten in dieser pikfeinen und extravaganten Umgebung wird der Kloß in unserem Hals bei diesem Anblick immer größer. Uns wird wieder einmal bewusst, wie tief und gleichzeitig nah die Kluft zwischen arm und reich in Amerika ist.

Ein wahres Shoppingvergnügen kommt für uns am Rodeo Drive nicht auf. Daher wechseln wir den Standort und fahren zum Stadtbezirk Century City. Auf dem Gelände des Filmatelierkomplexes der 20th Century Fox entstanden zig moderne Büro-, Geschäfts- und Apartmentgebäude sowie das Shopping Center Westfield Century City (10250 Santa Monica Blvd, Los Angeles). Dort gibt es auch einen Microsoft Store. Seit New York sind wir immer noch auf der Suche nach dem neuen Surface 3. Unsere Erwartungen werden jedoch dieses Mal zu 100% erfüllt: Auf der großen Verkaufsfläche können alle Microsoft-Geräte bestaunt und selbst ausprobiert werden – auch das Surface 3. Wir kaufen es zwar nicht, sind jedoch absolut begeistert.

Das Shopping Center selbst ist riesig. Während bei uns in Deutschland solche Gebäude eher in die Höhe gebaut werden, erstreckt sich dort alles in die Breite und Länge. Zudem sind viele Abschnitte unter freiem Himmel. Die kalifornische Sonne ist im Gegensatz zu den wechselhaften Jahreszeiten in Deutschland fast ein Garant dafür, zu jeder Tages- und Nachtzeit draußen sitzen zu können. Somit genießen wir das Wetter bei einem Eis mit Erdbeer-, Schokokugel- und Smartie-Toppings.


Unser Fazit: Wer an Los Angeles denkt, denkt an Hollywood. Und wer an Hollywood denkt, denkt an die Filmindustrie. Über die Jahre verfestigt sich bei jedem ein ganz eigenes Bild dieser Traumfabrik. Die Erwartungshaltung, auf dem Hollywood Boulevard geben sich die Stars die Klinke in die Hand und überziehen ganz Hollywood mit diesem strahlenden Glamour, verfestigt sich.

Obwohl Hollywood nach wie vor als Synonym für die gesamte Filmindustrie steht, war von dem Glanz der Stadt nichts zu spüren. Abseits der im großen Stil gehypten Touristenmagnete sahen wir eine graue und gewöhnliche Stadt. Bisher habe ich keinen im Freundes- oder Bekanntenkreis getroffen, der anderer Meinung war. Leider waren wir uns alle einig: Wir hätten auf den Besuch von L.A. verzichten können. Es scheint, dass diese Stadt nur noch von ihrer Geschichte und den Mythen lebt. So traurig es ist, von der einst berühmten und schillernden Filmmetropole ist nicht mehr viel übrig.

Quellenangaben:
[1] USA Südwesten, Reise Know-How-Verlag, 2014, ISBN 978-3-89662-178-8, Seite 206
[2] USA Südwesten, Reise Know-How-Verlag, 2014, ISBN 978-3-89662-178-8, Seite 204
[3] https://www.usatipps.de/bundesstaaten/westkueste/kalifornien/los-angeles/hollywood/“ (letzter Abruf: 03.08.2019)
[4] https://www.visitcalifornia.com/de/attraction/tcl-chinese-theatre“ (letzter Abruf: 03.08.2019)
[5] USA Südwesten, Reise Know-How-Verlag, 2014, ISBN 978-3-89662-178-8, Seite 228

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