Amerika 2016 // Tag 3: Auf den Spuren von Luxus und Eleganz

Miami hat laut unseres Reiseführers noch mehr zu bieten als das wuselige High Society- und Strandleben. Aus diesem Grund begeben wir uns nach Coral Gables. Der Name des Stadtteils geht auf das Elternhaus von George E. Merrick zurück, das seine Mutter Ende des 19. Jahrhunderts entwarf und sein Vater baute.[1] Heute ist es wie auch das „Merrick House“ ein Museum, das an den Stadtplaner und dessen Vision einer perfekten „City Beautiful“ erinnert. Er war Wegbereiter des sog. New Urbanism.[2]

Coral Gables kann man im Norden durch vier verschiedene Stadttore passieren, wobei ursprünglich acht geplant gewesen waren. Merricks Stadttraum konnte wegen des Immobiliencrashes 1926 nicht vollständig umgesetzt werden.[3]

Kleine Stadtgeschichte

Wir parken in der Nähe der beeindruckenden und unübersehbaren Coral Gables City Hall. Sie ist im Stil der spanischen Renaissance gebaut und wurde 1928 von Visionär George E. Merrick in nur vier Monaten Bauzeit und mit einer Investitionssumme von 200.000 Dollar errichtet.[4] Die Baudimension und Detailverliebtheit gibt einen ersten Eindruck dessen, was den gesamten Stadtteil auszeichnet.[5]

Von der City Hall aus erreichen wir die breit angelegte und von Bäumen gesäumte Shopping- und Restaurantmeile „Miracle Mile„, die ein Teil der Hauptverkehrsader Coral Way ist. Wir laufen am luxuriösen Hotel Colonnade vorbei, das seinerzeit das prachtvolle Haus von George Merrick war.[6] Am Miracle Mile Arch biegen wir nach links in den Merrick Way und entdecken die Straße rüber überraschenderweise das „Fritz & Franz Bierhaus“. Sogar fast 8.000 km entfernt von zu Hause finden wir deutsche Spuren.

Hollywood-Kulisse

Mit dem Auto möchten wir noch einen Abstecher zu einem besonderen Highlight von Coral Gables machen, dem Biltmore Hotel (1200 Anastasia Ave.; Web). Vor dem beeindruckenden, palastartigen Gebäude fühlen wir uns unweigerlich in einen alten Hollywood-Film aus dem Jahr 1926 zurückversetzt. Das Gebäude entstammt wie auch die City Hall dem Geist des Stadtplaners Merrick. Mit Tausenden importierten Ziegeln aus Spanien sorgte er für Authentizität, die seines Gleichen sucht.[7] Der zentral aufragende Turm, dessen Vorbild die Giralda im spanischen Sevilla war, erreicht eine Höhe von fast 100 Meter.[8] Bing Crosby, Judy Garland oder die Herzogin von Windsor gehörten zu den gern gesehenen Gästen.[7]

Man mag es daher gar nicht glauben, dass das Biltmore Hotel zwischen den Jahren 1968 und 1986 dem Verfall geweiht gewesen sein soll[8], nachdem es durch einen Hurrikan, dem Ende des Landbooms und dem Börsencrash im zweiten Weltkrieg schließlich als Lazarett gedient hat. 1992 wurde es für viel Geld restauriert und strahlt heute wieder als Luxushotel mit römischen Säulen, Deckengemälden, spanischen Keramikfliesen und glänzenden Marmorböden mediterrane Eleganz aus.[7] Der Pool gilt als der größte Hotelpool der USA. Johnny Weismüller trat seinerzeit in Wassershows als Tarzan auf.[6] Und noch heute ist das Hotel eine beliebte Kulisse für Modefotografen und Filmemacher.

Wer nun denkt, das Hotel würde aus seiner Umgebung völlig herausstechen, irrt. Wir finden uns in einem wunderschönen Villenviertel wieder, das bis ins Jahr 1926 zurückreicht und wie der gesamte Stadtteil Coral Gables im mediterranen Stil angelegt ist. Entlang den spanisch benannten Straßen säumen sich traumhafte, vornehm und gepflegt wirkende Häuser. So gepflegt, dass die wohlhabenden Anwohner keinen Pickup-Truck in ihren Einfahrten parken dürfen.[5]

15 Gehminuten vom Biltmore Hotel entfernt befindet sich der Venetian Pool (2701 DeSoto Blvd; Web). Laut Reiseführern ist es Amerikas schönstes, öffentliches Bad.[9] Es ist in einen alten Korallenkalkbruch gebaut, der damals für die Errichtung der Häuser notwendig war. Man füllte ihn 1924 mit drei Millionen Liter Wasser[10], und schaffte mit kleinen Wasserfällen, künstlichen Grotten und einem venezianischen Brückenbogen eine italienische Wasserwelt – sowohl für Touristen als auch für viele Einheimische.[9]

Palmenstrand und Sandbänke

Unser Weg mit dem Auto führt uns weiter zur South Beach Lincoln Road Mall. Wie viele Gegenden Miamis wurde auch sie auf aufgeschüttetem Sand gebaut und wandelte sich dank ihres Planers Carl Fisher sowie des späteren Architekten Morris Lapidus zu einer Nobelmeile.[11] Wir machen einen Schaufensterbummel und kühlen uns mit einem leckeren Fruchtmix ab. Aber an die senkende Hitze sind wir definitiv noch nicht gewöhnt und beschließen, uns eine weitere Abkühlung am Key Biscayne zu gönnen. Man erreicht die ruhige, sieben Meilen lange Insel über den mautpflichtigen Rickenbacker Causeway.[12] Dass die quirlige Metropole Miami nur eine Viertelstunde von der ehemaligen Kokosnussplantage entfernt liegt, ist kaum zu glauben.[13]

Auch wenn den Strand mittlerweile viele große Sportanlagen und Luxusvillen, deren Wert in die Millionen geht, säumen, gibt es fast überall großartige Ausblicke aufs Meer und wunderschöne Abschnitte zum Baden.[13]

Wir nehmen den Parkplatz „Crandon Parking Lot #1 North Beach“ und laufen über die Wege zum Palmenstrand des Crandon Parks, der als einer der schönsten in den USA gilt.[14] Die Sandbänke lassen uns relativ weit ins Wasser hineinlaufen und geben einen atemberaubenden Blick auf die Skyline von Miami frei. Die Sonne, der Sand, das türkisfarbene Wasser – man fühlt sich wie im Paradies.

Fürs Abendessen entdecken wir in Miami ein kleines Pizza-Restaurant namens Andiamo, das eins als Werkstatt für Vintage-Reifen diente und entsprechend seinen ganz eigenen Charme versprüht (5600 Biscayne Blvd; Web). Bei sommerlichen Temperaturen und Lichterketten zwischen den meterhohen Bäumen lassen wir unseren ereignisreichen Tag ausklingen.


Unser Fazit: Abseits des schrillen und lauten Sommer-Sonnen-Flairs kann sich die Stadt auch von einer ganz anderen Seite zeigen. Die einzigartige Architektur und Bauweise, bedingt durch den spanischen Einfluss der Stadtplaner, ist beeindruckend. Umso schöner, dass viel davon noch erhalten oder zumindest wieder instand gesetzt wurde. Es ist schade, dass Miami häufig auf South Beach reduziert wird und – selbst uns – bis dato nicht klar war, welch bezaubernde Ecken diese Stadt im Osten zu bieten hat.

Quellenangaben:
[1] Miami & Florida Keys, National Geographic Buchverlag GmbH, München 2018, ISBN 978-3-95559-246-2, Seite 148
[2] Miami & Florida Keys, National Geographic Buchverlag GmbH, München 2018, ISBN 978-3-95559-246-2, Seite 146
[3] Florida, VISTA POINT Verlag GmbH, Potsdam 2017, 11. Auflage, ISBN 978-3-95733-637-8, Seite 79
[4] Miami & Florida Keys, National Geographic Buchverlag GmbH, München 2018, ISBN 978-3-95559-246-2, Seite 151
[5] Florida, KARL BAEDEKER GmbH, Ostfildern 2018, 13. Auflage, ISBN 978-3-8297-4640-3, Seite 178
[6] Miami & Florida Keys, National Geographic Buchverlag GmbH, München 2018, ISBN 978-3-95559-246-2, Seite 291
[7] Miami & Florida Keys, National Geographic Buchverlag GmbH, München 2018, ISBN 978-3-95559-246-2, Seite 149
[8] Florida, KARL BAEDEKER GmbH, Ostfildern 2018, 13. Auflage, ISBN 978-3-8297-4640-3, Seite 180
[9] Florida, KARL BAEDEKER GmbH, Ostfildern 2018, 13. Auflage, ISBN 978-3-8297-4640-3, Seite 179
[10] Miami & Florida Keys, National Geographic Buchverlag GmbH, München 2018, ISBN 978-3-95559-246-2, Seite 150
[11] Miami & Florida Keys, National Geographic Buchverlag GmbH, München 2018, ISBN 978-3-95559-246-2, Seite 107
[12] Florida, KARL BAEDEKER GmbH, Ostfildern 2018, 13. Auflage, ISBN 978-3-8297-4640-3, Seite 181
[13] Miami & Florida Keys, National Geographic Buchverlag GmbH, München 2018, ISBN 978-3-95559-246-2, Seite 289
[14] Miami & Florida Keys, National Geographic Buchverlag GmbH, München 2018, ISBN 978-3-95559-246-2, Seite 122

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