Schweden 2019 // Tag 5: Vom Wasser magisch angezogen

Bei schönstem Sonnenschein steuern wir als erstes das ca. 20 Kilometer nördlich von Lidköping gelegene „Läckö Slott“ an. Der Weg dorthin ist, wie es sich für eine Touristenattraktion gehört, gut ausgeschildert. Bereits vom Parkplatz (30 SEK) ist das weiß strahlende Schloss zu erkennen. Es thront auf der in den Vänernsee hineinragenden Halbinsel Kålland und reicht bis zum Ende des 13. Jahrhunderts zurück.[1]

Zunächst fungierte es als Sitz des Bischofs von Skara.[2] Nach einem Brand und dem mit baulichen Anpassungen einhergehenden Wiederaufbau war es 1615 im Besitz der Familie de la Gardie.[3] Seit 1914 darf das Schloss und ein Teil der rund 200 eingerichteten Räume besichtigt werden, u. a. Staats- und Privatgemächer sowie der Bankettsaal (Mitte Juni – Ende August, tgl. 10-17 Uhr, 100 SEK p.P. – Web).[3],[4]

Mit der Natur im Einklang

Doch mindestens genauso imposant wie das Schloss ist das Gelände drumherum. Das Schloss befindet sich im Naturschutzgebiet Vänernskärgården. Und wie das alles im Einklang zueinander steht, ist bei einem Spaziergang auch zu spüren: Mehrere Entenfamilien schwimmen mit ihrem flauschigen Nachwuchs am Ufer des Vänern entlang, Lamellenpilze sprießen aus dem Wiesenboden und Kirschblüten tauchen die Bäume in eine rosa-weiße Farbenpracht. Wer Details über die besondere, regionale Flora und Fauna in Erfahrung bringen möchte, sollte das etwas futuristisch erscheinende Naturum besuchen. (Eintritt frei)[5]

Wir begeben uns zurück zu Leo, vespern und starten dann unsere Weiterfahrt. Aber nicht ohne einen kleinen Umweg über den ausgeschilderten, 200 Meter links vom Schloss gelegenen Campingplatz. Wären wir bereits auf der Suche nach einer Übernachtung, hätten wir hier gerne einen Stopp eingelegt. Mit 20 Stellplätzen ist der Waldcampingplatz sehr klein und in der Hochsaison bestimmt überlaufen, aber inmitten der Natur und mit erstklassigem Blick auf das Läckö Slott wunderschön gelegen. (Web) Vielleicht beim nächsten Mal.

Wasser zieht Menschen irgendwie magisch an. Uns auch. Aus diesem Grund machen wir Halt an der Läckö Skansbron, eine Fußgänger- und Fahrradbrücke beim Übergang zur vorgelagerten Insel Kållandsö. Am Ufer sitzt eine ältere Dame und angelt. Ihr Fang scheint bisher nicht sehr groß, aber das gleichzeitig auch nicht ihr Ziel zu sein. Sie genießt genau wie wir die Stille, den Blick auf das Wasser und die Natur.

Unsere Tour führt uns weiter auf der Straße 44, vorbei an gelb blühenden Rapsfeldern, deren natürliches Leuchten jedoch durch den einsetzenden Regen verblasst. Der Regen ist auch der Grund, der uns veranlasst, bis Trollhättan durchzufahren und die Stadt mit ihren 46.000 Einwohnern[6] als unseren heutigen Stell- und Übernachtungsplatz auszuwählen.

Das schlechte Wetter lässt bei unserer Ankunft nach und wir beschließen, die Stadt zu erkunden. Trollhätten besitzt nämlich einige Sehenswürdigkeiten, die es bekannt gemacht hat oder für die es sogar noch heute bekannt ist. Als erstes gelangen wir auf unserem Weg an einem weitläufigen Industriegelände vorbei. Uns springen vier große Buchstaben an einem der Fabrikgebäude ins Auge: SAAB (Svenska Aeroplan AB). Eigentlich bekannt für die gleichnamige Automarke, konzentrierte sich das Unternehmen aufgrund der Kriegssituation Ende der 1930er Jahre zunächst vor allem auf die Produktion von Flugzeugen und Turbinen. Erst nach dem Krieg stieg Saab ins Automobilgeschäft ein. Auch wenn die Produktion mittlerweile eingestellt ist, können im ehemaligen Werksmuseum, dem Saab Car Museum, die verschiedenen Modelle bestaunt werden (Åkerssjövägen 18, Di-So 11-16 Uhr, 90 SEK p.P. – Web).[7]

In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich zum einen die Nohab-Schmiede (Nohabsmedian), eine der ältesten Schmieden des Landes,[7] und zum anderen das Technikmuseum Innovatum Science Center. Auf 4.400 m² Hallenfläche können im Science Center große wie kleine Besucher Technik erleben und ausprobieren. Verschiedene Stationen und Spielplätze laden die Besucher zum Experimentieren ein und möchten Begeisterung für Naturwissenschaften wecken.[8] (Åkerssjövägen 16, 90 SEK p.P. – Web)

Ein bisschen Hollywood-Glamour

Das Areal scheint riesig und wir entdecken ein weiteres Highlight: Die Filmstudios von Trollhättan. Viele internationale Filme wurden hier bereits gedreht. Ein Umstand, der Trollhättan den Spitznamen „Trollywood“ eingebracht hat. Leider dürfen die Studios nicht besichtigt werden. Aber der Walk of Fame in der Storgatan in der Innenstadt verleiht ein bisschen Hollywood-Atmosphäre.[9]

Ein paar Meter weiter laufen wir an einer kleinen Schlucht vorbei. Wie wir auf der Informationstafel lesen, ist sie der ältere Teil der NOHAB’s Industrieeisenbahn, der zwischen den Jahren 1893 und 1984 angelegt wurde. Von hier bis zum Bahnhof verliefen 2,8 Kilometer Schienen. Eine Erleichterung für den Transport der Werkstatt-Erzeugnisse und produzierten Lokomotiven – und somit auch für die Arbeiter.

Der erneut einsetzende Nieselregen hindert uns nicht daran, unseren Weg am „Trollhätte Kanal“ fortzusetzen. Er führt uns zur Strömkarlsbron, einem guten Ausgangspunkt, um den 33 Meter hohen Wasserfall[10] und die Schleusen von Trollhättan zu besichtigen. Ihre Geschichte reicht im Prinzip bis ins 15. Jahrhundert zurück, als hier bereits die erste Wassermühle stand. Im Laufe der Zeit entstanden immer wieder Pläne, die Wasserfälle durch Schleusen zu umgehen. Erst im Jahr 1800 wurde dies Realität und die erste Schleuse in Betrieb genommen.[6] Trollhättans erstes Wasserkraftwerk „Olidan“ aus dem Jahr 1910 ist noch heute im Einsatz.[11]

Von der Brücke „Strömkarlsbron“ startet die „de Laval-Promenade“, einer von insgesamt drei verschiedenen Spazierwegen. Er führt über einen schmalen und recht steilen Wanderpfad auf den Berg (für Kinderwagen oder Rollstuhlfahrer nicht zu empfehlen). Oben angekommen wird die Anstrengung vom beeindruckenden Ausblick belohnt. Man kann über die Stadt, aber auch auf die Schleuse und den Wasserfall schauen. Kleine Stege mit Gittern, die über den Felsen hinausragen, geben den Blick auf die unter einem liegende Schlucht frei. Holzbänke und Rastplätze laden zum Picknicken und Verweilen ein.

Leider ist die Schlucht nahezu ausgetrocknet, da das gesamte Wasser in den Berg und die Wasserkraftwerke umgeleitet wird. Aus diesem Grund wird einmal im Jahr der „Fallens Dag“ ausgerufen, an dem das Wasser wie früher durch die Schlucht saust und zum Naturschauspiel wird. Da die Attraktion so großen Anklang fand, entschied der Konzern Vattenfall, das Event in den Sommermonaten wöchentlich bis sogar täglich stattfinden zu lassen. Genaue Angaben zu Tagen und Zeiten finden sich im Internet.

Der „de Laval-Promenade“ weiter folgend laufen wir den Berg wieder runter, am „Hojums Kraftwerk“ vorbei und gelangen zur Brücke „Kyrkbron“. Auch hier bietet sich nochmals ein toller Blick auf die Schlucht. Rechter Hand führen Steinstufen zum Kungsgrottan, eine „Art königliches Gästebuch“. In die Felsen wurden die Namen einiger Monarchen eingemeißelt und auf diese Weise verewigt.[11]

So langsam breitet sich ein wenig Hunger in unserer Magengegend aus und wir laufen an der Trollhättans Kyrka vorbei Richtung Innenstadt. Auf dem Fußgängerboulevard Kungsgatan gibt es eine gute Auswahl an Restaurants. Den Nachtisch holen wir uns im Laden um die Ecke: Bei „Hemmakväll“ gibt es Süßigkeiten soweit das Auge reicht. Schokolade, Gummitiere, Lollis – egal was das Herz begehrt. Wir packen uns ein paar Leckereien ein und begeben uns mit unserer Naschtüte glücklich auf den Rückweg zu unserem Wohnmobil „Leo“.


Unser Fazit: Auch wenn Trollhättan bei uns einen starken Industriestadt-Eindruck hinterließ, waren wir von dem Schleusensystem beeindruckt. Wie beeindruckend mag es erst sein, wenn die Wassermassen zu den oben angesprochenen Eventtagen „freigelassen“ werden und sie sich ihren Weg durch die Felsen bahnen?! Hat man ausreichend Zeit zur Verfügung oder ist zeitlich flexibel, sollte man daher vor dem Besuch auf jeden Fall in den Veranstaltungskalender schauen und sich dieses Naturspektakel nicht entgehen lassen. Dabei können auch direkt die Wasserkraftwerke besichtigt werden.

Unser Übernachtungsplatz, der Wohnmobil-Stellplatz in der Nähe des „Slussarna“ und des Fußballplatzes des Vereins „Skoftebyns IF“ (Åkerssjövägen 60, 46154 Trollhättan) ändert an dem Industrie- und Betoneindruck nichts. Er ist quadratisch, praktisch, zentral und günstig, aber nicht schön. Wer etwas mehr Grün um sich haben möchte, sollte besser den Campingplatz nördlich des Bahnhofs anfahren (Trollhättan Camping, Kungsportsvägen 7, 46139 Trollhättan).

Quellenangaben:
[1] Schweden, Nelles Verlag GmbH, 2017, 8. Auflage, ISBN 978-3-8317-2923-4, Seite 125
[2] Schweden, Reisebuchverlag Iwanowski GmbH, 2016, 13. Auflage, ISBN 978-3-86197-153-5, Seite 350
[3] Schweden, Lonely Planet Global Limited, MAIRDUMONT, 2018, 5. Auflage, ISBN 978-3-8297-4598-7, Seite 188
[4] Südschweden, Reise Know-How-Verlag Peter Rump GmbH, 2017, 2. Auflage, ISBN 978-3-8317-2923-4, Seite 171
[5] Südschweden, Reise Know-How-Verlag Peter Rump GmbH, 2017, 2. Auflage, ISBN 978-3-8317-2923-4, Seite 172
[6] Südschweden, Reise Know-How-Verlag Peter Rump GmbH, 2017, 2. Auflage, ISBN 978-3-8317-2923-4, Seite 131
[7] Südschweden, Reise Know-How-Verlag Peter Rump GmbH, 2017, 2. Auflage, ISBN 978-3-8317-2923-4, Seite 135f.
[8] https://www.innovatum.se/gora-och-uppleva/science-center/ (letzter Abruf: 25.07.2020)
[9] https://www.vastsverige.com/de/trollhattan-vanersborg/trollhattan/ (letzter Abruf: 25.07.2020)
[10] Schweden, Nelles Verlag GmbH, 2017, 8. Auflage, ISBN 978-3-8317-2923-4, Seite 119
[11] Südschweden, Reise Know-How-Verlag Peter Rump GmbH, 2017, 2. Auflage, ISBN 978-3-8317-2923-4, Seite 133f.

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