Schweden 2019 // Tag 6: Felsig, rau und ruhig

Kaum sind wir losgefahren und haben die Stellplatzschranke passiert, müssen wir auch schon wieder rechts ranfahren. Leo meldet uns eine unverschlossene Tür – und mit der lässt er uns definitiv nicht weiterfahren. Nach einigem Suchen identifizieren wir die hintere Tür als „Problembär“. Allerdings können wir die Ursache nicht aufspüren und haben somit unsere Schwierigkeiten, den Fehler zu beheben. Die Bedienungsanleitung ist uns dabei leider auch keine Hilfe.

Irgendwann laufen zwei ältere Ehepaare an uns vorbei. Sie scheinen Mitleid mit uns zu haben. In gebrochenem Englisch versuchen sie uns zu helfen, stellen die ein oder andere Frage, geben Tipps, finden aber genauso wenig wie wir das Problem und geben achselzuckend mit den Worten „Good luck“ auf. Uns fehlt wohl allen das nötige Fachwissen.

Eine unvergessliche Geschichte

Jetzt sehen wir nur noch einen Ausweg: Wir rufen den technischen Support unserer Autovermietung an. Nachdem wir dem Herrn am anderen Ende der Leitung unser Problem erläutert haben und er dieses auch verstanden hat, trauen wir unseren Ohren nicht: Wir sollen das betreffende Kabel einfach abklemmen. Okay, wenn er das sagt. So folgen wir genau seiner Anleitung und führen mit dem Handy am Ohr die einzelnen Schritte durch. Und tatsächlich: Leo hört auf zu meckern und wir können unsere Fahrt fortsetzen – auch wenn die „Reparatur“ etwas anders ablief als erwartet. 😉

Nach dem kleinen Schreck und einer weiteren, unvergesslichen Geschichte für unser Reisetagebuch starten wir unsere heutige Tour. Zunächst führt sie uns über die E45 nach Lilla Edet. Aus dem Fenster sehen wir erneut eine beeindruckende Schleuse, die 1607 in Betrieb genommen wurde und eine wichtige Transportverbindung flussaufwärts nach Trollhättan darstellt.[1]

Wo ist unsere Fähre?

Weiter geht es Richtung Stenungsund und über die Brücken Källösundsbron sowie Tjörnbron, bis wir schließlich in Rönnäng ankommen. Wir planen von hier aus mit der Fähre auf die autofreie Insel Stora Dyrön zu fahren. Einen Parkplatz für unseren Leo haben wir am ca. ein Kilometer entfernten Kåreviks Badplats (Kåreviksvägen, 471 42 Rönnäng) schnell gefunden.

Zu Fuß begeben wir uns zur An- und Ablegestelle „Rönnäng brygga“ und warten auf die Fähre. Wie wir – und die anderen 20 wartenden Fahrgäste – später feststellen, ist diese leider nicht direkt als solche zu erkennen. Es sieht aus wie ein herrkömmliches Transportboot, das die Inseln mit Lebensmitteln und sonstiger Verpflegung versorgt. So kommt es, wie es kommen muss: Die Fähre bzw. das Boot legt ohne uns ab. Und die nächste kommt erst in 1,5 Stunden.

Zeitvertreib am Badestrand

Etwas geknickt überlegen wir, wie wir die Zeit rumkriegen. Wir laufen zurück zu Leo, essen und trinken etwas und erkunden den kleinen Badestrand Kåreviks Badplats. Ein erholsames Fleckchen – vor allem bei sommerlichen Temperaturen, können wir uns vorstellen: Der Sand lädt zum Sonnenbaden ein, die umgebenden Felsen schützen vor dem Wind und das Wasser bietet herrliche Abkühlung. Da das Wetter im Moment etwas rauer ist, begnügen wir uns mit dem Sammeln von Muscheln, klettern auf der felsigen Gegend herum, bestaunen die an den Stegen festgebundenen Jollen und genießen den Blick aufs Wasser.

Ruckzuck ist die Stunde rum und unser Wecker erinnert uns daran, zurück zur Fähre zu laufen. Unser zweiter Anlauf ist von Erfolg gekrönt. Wir steigen auf das Boot und schippern los. 20 Minuten später legen wir auf der Insel Stora Dyrön an. Vom Anlegeplatz aus folgen wir dem Pfad nach rechts und nehmen einen ersten Anstieg. Von oben hat man nicht nur eine tolle Aussicht auf das Meer und die Wellen, sondern auch auf die sich vor einem ausbreitende hügelige Landschaft. Vielleicht erspähen wir mit etwas Glück sogar eins der wild lebenden Mufflonschafe.

Wunderschön, aber steil und schmal

Die gesamte Insel lässt sich auf einem ca. fünf Kilometer langen Wanderweg, der an mehreren Abschnitten unterbrochen, abgekürzt oder verändert werden kann, erkunden.[2] Verlaufen ist so gut wie unmöglich, da gelb markierte Holzpfosten in regelmäßigen Abständen die Richtung weisen. Allerdings ist gutes Schuhwerk unabdingbar. Streckenweise ist der Weg äußerst steil und schmal, Holztreppen und Geländer sorgen aber für den nötigen Halt.

Immer wieder kommen wir an Grill- und Rastplätzen vorbei, die sich wunderschön in die Umgebung einfügen. Und auch uns zu einer kleinen Vesperpause einladen. Die Ruhe ist genauso faszinierend wie die Felsen, Tümpel und Pflanzen. Am liebsten würden wir hier bleiben. 🙂 Doch die Fähre zurück nach Rönnäng ruft. Da uns aufgrund der verspäteten Ankunft etwas Zeit fehlt, um die gesamte Insel abzulaufen, nehmen wir die Abkürzung durchs bewohnte Zentrum der Insel. Egal ob Spielplatz oder Supermarkt, den Bewohner scheint es wirklich an nichts zu fehlen. Und mit den flinken Lastenmopeds findet alles seinen Weg von A nach B.

Komfort eines Wohnmobils

Zurück am Camper zeigt sich, wie gut es das Wetter mit uns meint. Just in dem Moment, als wir die Tür hinter uns schließen, fängt es an zu regnen. Kein Problem, denn jetzt wollen wir nur noch nach Göteborg zum Campingplatz Liseberg Camping Askim Strand (Marholmsvägen 124, 436 45 Askim)[3]. Leider kommen wir jedoch dort so spät an, dass die Rezeption bereits geschlossen hat. Wir telefonieren kurz und hoffen auf eine Lösung. Tatsächlich: Wir dürfen die Schranke passieren, uns einen Stellplatz aussuchen und Strom nutzen, aber erhalten keinen Zugang zu den Sanitäranlagen. Naja, für solche Fälle haben wir ja glücklicherweise den Komfort eines Wohnmobils. 😉


Unser Fazit: Die Insel Stora Dyrön ist perfekt für einen Tagesausflug. Die Wege, Hinweisschilder und Markierungen bieten eine sehr gute Orientierung. Trotzdem ist die Insel wirklich nur für Personen zu empfehlen, die gut zu Fuß sind und keine Platzangst haben. Stellenweise sind die Wege so schmal, dass man je nach Statur eventuell nur mit leicht seitlich gedrehtem Oberkörper hindurch passt. Außerdem können die Holzstege, Bretter und Felsen bei feuchtem Wetter sehr rutschig sein.

Die auf der Insel lebenden Mufflonschafe sind sehr scheu. Wir haben leider keines der Tiere gesehen. Wahrscheinlich braucht man wirklich sehr viel Glück – oder auch Zeit. Zumindest beweisen die auf den Wegen herumliegenden Kotküttel definitiv ihre Anwesenheit. 😉

Quellenangaben:
[1] Südschweden, Reise Know-How-Verlag Peter Rump GmbH, 2017, 2. Auflage, ISBN 978-3-8317-2923-4, Seite 131
[2] https://www.dyron.se/dyron/ (letzter Abruf: 25.07.2020)
[3] https://www.liseberg.se/boende/former/camping/lisebergs-camping-askim-strand/ (letzter Abruf: 25.07.2020)

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