Unser heutiges Ziel ist Göteborg. Aber wie immer bei Großstädten stellen wir uns die bereits bekannten Fragen: Wie kommen wir am besten hin und wo finden wir einen Parkplatz für unser riesiges Gefährt? Bevor wir uns um die entsprechenden Antworten kümmern, füllen wir auf dem Campingplatz Liseberg Camping Askim Strand noch unsere Wasservorräte auf und entsorgen das Grauwasser.


Herausforderung 1: Parkplatz finden
Dann geht’s los. In der Stadt Göteborg selbst gibt es keine Wohnmobil-Parkplätze. Also beschließen wir, uns etwas außerhalb eine Stellmöglichkeit zu suchen und mit dem Bus in die Innenstadt zu fahren. Leichter gesagt als getan. Die Schweden scheinen die gleiche Idee zu haben. Die Park-and Ride-Plätze sind bereits früh morgens zum Bersten voll. Wir werden tatsächlich nur mit sehr viel Glück nach langem Suchen auf dem Pendelparkering Radiomotet (Axel Adlers gata 1, 42132 Västra Frölunda) fündig. Einer der (eigentlich viel zu kleinen PKW-Parkplätze) liegt so geschickt, dass wir Leo genau dort hineinzirkeln – und dabei weder einem anderen den Parkplatz wegnehmen noch jemanden am Ein- oder Ausfahren hindern.
Herausforderung 2: Busfahrkarte kaufen
Puh, das erforderte viel Geschick und Feingefühl. Schnell die Schweißtropfen abtupfen, Rucksack schnappen und Bushaltestelle suchen. Wir recherchieren im Internet, mit welcher Linie wir fahren müssen. Gesucht, gefunden. Allerdings haben wir im sonst so bargeldlosen Schweden nicht damit gerechnet, dass wir beim Busfahrer kein Ticket kaufen können. Fahrtkarten gibt es entweder nur mit passend abgezähltem Kleingeld oder über eine App. Wir haben leider weder das eine noch das andere, aber auch hier das Quäntchen Glück. Der Busfahrer meint es gut mit uns und nimmt uns kostenfrei bis zur nächsten Station Göteborg Marklandsgatan mit. Dort steigen wir aus und lösen am Kiosk zwei Tickets (31 SEK p.P.).
Als stolze Besitzer zwei gültiger Fahrkarten begeben wir uns erneut zum richtigen Steig, warten auf den nächsten Bus und fahren dieses Mal tatsächlich bis ins Zentrum von Göteborg. Vor dem Bahnhof steigen wir aus und folgen einem selbst gewählten Weg durch die 525.000 Einwohner große Stadt.[1] Göteborg liegt am Südufer der Mündung des Göta älv (Göta-Fluss) und wurde auf Wunsch des „Stadtplaners“ Gustav II. Adolf von Spezialisten aus Holland mit zahlreichen Kanälen durchzogen. Erst damit war die zukünftige Bebauung möglich.[2]
Herausforderung 3: Weg durch Göteborg suchen
Uns zieht es zunächst in Richtung Wasser und den Lilla Bommens Hafen. Dort fällt unser Blick unweigerlich direkt auf das rot-weiße Hochhaus Skanska-skrapan. Der Büro- und Wohnkomplex[3] wird aufgrund seines Aussehens von den Göteborgern humorvoll „Lippenstift“ genannt und beherbergt in 86 Metern Höhe eine Aussichtsplattform. Von der „Götheborgsutkiken“ können Besucher auf den Hafen und die Stadt herabblicken.[4]
Ein paar Meter weiter liegt die Barken Viking beindruckend und majestätisch im Wasser (Lilla Bommens Torg 10 – Web). Das große, im Jahr 1907 gebaute Schiff ist nur noch eines von wenigen Viermastern[5] und beherbergt heute ein Restaurant sowie eine Hotelfachschule.[6]
Gegenüber auf der anderen Seite des Hafenbeckens stoßen wir auf die Operan (Oper). Das schiffsähnliche Gebäude wurde 1994 eröffnet und zeigt mit Unterstützung der modernsten Technik Opern, Operetten und Musicals. Dem Hafenviertel weiter Richtung Südwesten folgend erreichen wir das Maritiman (Packhusplatsen 12 – Web). Es ist laut Reiseführer das größte Schiffsmuseum der Welt.[7] Umgeben von altem Maschinenöl kann man aktuell auf 13 Schiffen der Flotte in geschichtliche Hintergründe eintauchen. Unter ihnen gibt es beispielsweise ein Feuerlöschboot, ein U-Boot und Schlepper zu entdecken.[8] Allein vom Kai aus machen sie bereits einen imposanten Eindruck.


Herausforderung 4: Hunger stillen
Wir sind neugierig, was die Göteborger Innenstadt noch zu bieten hat. Unser Weg führt uns also weg vom Hafenviertel, aber erneut hin zum Wasser. Genauer gesagt zum Stora Hamnkanalen. Wir folgen dem Kanal bis zum Brunnsparken und finden uns in den Arkaden wieder (Web). Ein riesiges Einkaufszentrum, das mit einem leckeren Snack-Angebot perfekt für eine kurze Mittagspause ist. Gestärkt lassen wir den Shopping-Trubel, der sich von anderen europäischen Großstädten kaum unterscheidet, hinter uns und finden etwas Ruhe im Trädgårdsföreningen Park (Park der Gartenvereinigung, Slussgatan 1 – Web). Die verschlungenen Wege des aus dem 19. Jahrhundert stammenden wunderschönen, grünen Göteborger Flecks führen uns unter anderem an Bienenstöcken, diversen Skulpturen, einem Rosengarten und einem Palmenhaus vorbei. Bänke laden zum Verweilen und blühende Büsche zum Schnuppern ein. Der Eintritt in den Park und in das Palmenhaus ist frei.


Wir flanieren noch ein bisschen durch die Straßen und genießen das sommerliche Wetter bis wir schließlich am späten Nachmittag den Bus zurück zur Haltestelle Radiomotet nehmen. Leo steht noch, wie wir ihn zurückgelassen haben – ohne Schramme und Strafzettel. Perfekt! Dann wollen wir uns mal auf die Suche nach einem Übernachtungsplatz machen.
Herausforderung 5: Rätsel um Super Mario lösen
Auf der E6 kommen wir schnell voran – bis ich plötzlich aus dem Beifahrerfenster einen grünen Schornstein sehe. Sofort assoziiere ich ihn mit dem wohl bekanntesten Gaming-Helden aller Zeiten: Super Mario. Aber kann das wirklich sein? Was hat Super Mario bzw. Nintendo hier in Schweden zu suchen? Wir können unsere Neugier nur schwer im Zaun halten und nehmen kurzerhand die nächste Ausfahrt. Dann rechts, rechts, links – Mist, verfahren – wenden, rechts und nochmal links.
Und da ist er: der meterhohe, grüne Schornstein. Ich habe mich also wirklich nicht geirrt. Völlig verblüfft und fasziniert zugleich fahren wir auf das Gelände von Bergsala AB, einer schwedischen Geschäftsstelle von Nintendo (Marios gata 21, 43437 Kungsbacka). Wir trauen unseren Augen nicht, als uns Mario und der blaue Panzer von Koopa bereits bei der Einfahrt auf Vorfahrts- und Zebrastreifenschildern „begrüßen“.
Wir stellen Leo auf dem Besucherparkplatz ab und möchten uns als leidenschaftliche Super Mario-Spieler unverzüglich alles aus der Nähe anschauen. Neben dem übergroßen Schornstein und der darauf platzierten Super Mario-Figur fühlen wir uns wie Zwerge in einem der Videospiele des weltbekannten Klempners. Die Überraschung ist perfekt, als wir beim Herumlaufen plötzlich eins der Super Mario-Intros in Gang setzen. Per Bewegungsmelder strahlt es uns aus den Lautsprechern entgegen. Unweigerlich bewegen wir uns zum Takt und entdecken noch mehr: Ein kleiner Rätselpfad testet unser Mario-Wissen. Die Tafeln fragen nach dem ersten Donkey Kong Spiel, treuen Freunden, fiesen Gegnern, Nintendo-Wegbestreitern oder alten Spielen sowie Konsolen. Auf gewisse Art und Weise erleben wir eine Reise in unsere Kindheit.



Wie wir später nachlesen, gibt es in der Geschäftsstelle sogar ein kleines Museum. Da wir jedoch außerhalb der Öffnungszeiten da gewesen sind, blieb uns nur der Blick durch das Schaufenster auf einen riesigen, grünen Yoshi. Nichtsdestotrotz ein toller und spontaner Mini-Ausflug, der nur durch Zufall unseren Weg gekreuzt hat.
Das Mario-Intro werden wir so schnell nicht wieder los. Der Ohrwurm hat uns fest im Griff. Wir suchen daher summend und trällernd nach einem geeigneten Stellplatz für die Nacht. Die Dämmerung setzt bereits ein und der aufkommende Regen wird immer stärker. Wir begnügen uns daher mit einem kleinen Parkplatz in Varberg, unweit der Straße und der Bläshammar skola. Wir „verstecken“ uns ein wenig hinter den bewachsenen Hecken und hoffen, hier niemanden zu stören.
Unser Fazit: In Göteborg kann man durchaus mehr als einen Tag verbringen. Neben einer Vielzahl an Museen bietet die Stadt viele Sehenswürdigkeiten und grüne Parkanlagen. Für jeden Geschmack ist etwas dabei: für Naturliebhaber und Historiker, aber auch für Familien und kleine Entdecker.
Wer sich ebenso wie wir für alte PC- und Videospiel à la Super Mario interessiert, sollte sich den Abstecher nach Kungsbacka nicht entgehen lassen. Ein Blick auf die Öffnungszeiten der Geschäftsstelle sollte dann auch garantieren, nicht nur das Außengelände besichtigen zu können, sondern ebenso die Ausstellungsstücke im Innenbereich. Auf jeden Fall ein kleines Highlight für Gaming-Fans.
Quellenangaben:
[1] Südschweden, Reise Know-How-Verlag Peter Rump GmbH, 2017, 2. Auflage, ISBN 978-3-8317-2923-4, Seite 81
[2] Schweden, Nelles Verlag GmbH, 2017, 8. Auflage, ISBN 978-3-8317-2923-4, Seite 104f.
[3] Schweden, Reisebuchverlag Iwanowski GmbH, 2016, 13. Auflage, ISBN 978-3-86197-153-5, Seite 279
[4] https://www.schwedentipps.se/goeteborg/utkiken/ (letzter Abruf: 27.07.2020)
[5] http://www.barkenviking.com/om-oss/ (letzter Abruf: 27.07.2020)
[6] Schweden, Reisebuchverlag Iwanowski GmbH, 2016, 13. Auflage, ISBN 978-3-86197-153-5, Seite 282
[7] Schweden, Lonely Planet Global Limited, MAIRDUMONT, 2018, 5. Auflage, ISBN 978-3-8297-4598-7, Seite 160
[8] http://www.maritiman.se/fartygsflottan (letzter Abruf: 27.07.2020)