Der Regen des Vorabends hat die Nacht überdauert und weckt uns mit leisem Trommeln am Morgen. Die Wettervorhersage lässt für heute leider keine Besserung verlauten. Die Sonne wird dank der dicken, grauen Wolkendecke für keine einzige Minute hervorschauen. Ungünstige Voraussetzungen, um das Land zu erkunden und spazieren zu gehen.
Aber was soll’s. Dann suchen wir uns eben eine trockene Alternative. In unseren Reiseführern und Broschüren haben wir von einem großen Warenhaus gelesen, das nur knapp eine halbe Stunde entfernt in Ullared liegt. Dort wären wir vor der Nässe geschützt und hätten gleichzeitig etwas Bewegung. Denn es verspricht riesig zu sein.
Nach knapp 30 Minuten auf der Straße 153 gen Osten stehen wir vor Gekås, dem größten Supermarkt Skandinaviens (Web).[1] Auf vier Etagen mit insgesamt 40.000m² Verkaufsfläche (entspricht sieben Fußballfeldern) und 21 Abteilungen findet man dort alles, was das Herz begehrt.[2] Egal ob Angelbedarf, Striegelbürsten, Kosmetik, Bekleidungs- oder Haushaltsartikel – wir staunen nicht schlecht. Und bereuen schnell, ohne Einkaufswagen hineingegangen zu sein. Wie immer wird aus einem „Ich möchte nur gucken“ ein „Ach so, das könnten wir ja mal mitnehmen“.

Nach mehreren Stunden verweigern unsere Füße das Weiterlaufen. Wir sind durch so viele Gänge gestreift und haben so viele Kuriositäten in den Händen gehalten, dass unser Kopf vor lauter Eindrücken schon fast zerplatzt. Geschafft, aber glücklich verlassen wir schließlich mit dem ein oder anderen Souvenir das Kaufhaus. Wir laufen auf den Parkplatz zu Leo und merken schnell, dass der Wetterbericht tatsächlich die Wahrheit gesprochen hat. Durchnässt kommen wir im Camper an, verschnaufen kurz, essen eine Kleinigkeit und fahren dann begleitet von strömendem Regen zum Campingplatz.
Der Haverdals Camping begrüßt uns am Eingang mit einer niedlichen Miniausgabe eines Wohnwagens (Haverdalsvägen 62, 30571 Haverdal – Web). Hier scheinen wir mit Leo richtig zu sein. 🙂 Wir können uns den Stellplatz aussuchen und wählen ein kleines Fleckchen auf der grünen Wiese. Links und rechts keine Nachbarn – wenn man von dem schimmernden Fasanen-Pärchen absieht, das wir neugierig durch die Fenster beobachten. Wir sind ganz verzückt, wie das Männchen sein Weibchen nicht aus den Augen lässt und beschützt.


Wir richten uns häuslich ein und machen es uns gemütlich. Strom darf dabei natürlich nicht fehlen. Unser Stromkasten steht geradewegs vor uns, ist aber von einer Plane überdeckt. Als wir feststellen, dass diese dem Wohnmobil-Inhaber nebendran gehört, steht er auch schon hilfsbereit neben uns. Umständlich versuchen wir ihm auf Englisch zu erklären, dass wir den Anschluss gerne nutzen möchten. Bis wir merken, einem weiteren Deutschen gegenüberzustehen. Die beiderseitige Überraschung ist groß. Wir tauschen ein paar Worte und Tipps aus. Er ist ebenfalls mit seiner Frau in Schweden unterwegs, aber im Gegensatz zu uns, bereits mehrere Monate. Als Rentner hat man eben Zeit. 😉
Plötzlich können wir unser Glück kaum fassen: Die graue Wolkendecke bricht auf und die Sonne kommt zum Vorschein. Zwischen den weißen Schleierwolken zeigt sich ein wunderschöner, blauer Himmel. Wir packen die Gelegenheit beim Schopf und streifen schnell unsere Daunenjacken über. An den Temperaturen ändert sich nämlich nur wenig.
Knapp zwei Kilometer entfernt soll ein kleiner, flacher Sandstrand sein. Der Weg dorthin führt zwischen einer Wohnsiedlung und an einem Eiskiosk vorbei. Bis man direkt auf den Weg mit Holzplanken stößt. Viel Zeit bleibt uns leider nicht mehr, da die Sonne bereits langsam hinter den Dünen verschwindet. Doch es ist traumhaft. Eine steife Brise pfeift uns um die Nase, die Möwen sitzen auf Futter wartend im Sand und die Wellen brechen an den kleinen Felsen. Es fühlt sich an wie an der Ostsee. Ein wunderbarer Ausklang eines eigentlich verregneten Maitages.



Unser Fazit: Gut, wenn man für das Warenhaus in Ullared ausreichend Zeit einplant. Es gibt so viel zu entdecken und anzuprobieren, dass man eigentlich nicht ohne Souvenir gehen kann. Es ist so groß, dass man tatsächlich aufpassen muss, sich nicht zu verlaufen. Die Vielzahl an Schnäppchen lässt auch die Schweden nicht kalt. Angeblich soll der Rekord am 30.10.2010 gewesen sein: Die Schlange an wartenden Menschen betrug 1,4 Kilometer.[3]
Der Haverdal Campingplatz ist sehr zu empfehlen. Vor allem der fußläufige Weg zum Sandstrand ist toll. Wer nicht laufen will, kann auch mit dem Auto vorfahren. Ein kleiner Parkplatz liegt direkt vor dem Holzweg (Parkeringsplats, 31042 Haverdal).
Quellenangaben:
[1] Südschweden, Reise Know-How-Verlag Peter Rump GmbH, 2017, 2. Auflage, ISBN 978-3-8317-2923-4, Seite 78
[2] https://www.gekas.se/shoppa/sortiment/ (letzter Abruf: 26.07.2020)
[3] Schweden, Reisebuchverlag Iwanowski GmbH, 2016, 13. Auflage, ISBN 978-3-86197-153-5, Seite 274