Und täglich grüßt das Murmeltier“… Wir müssen schon ein wenig schmunzeln, als wir am Morgen aus unserem Camper blicken und feststellen, dass auch dieser Tag erst einmal mit Regen beginnt. Aber irgendwie haben wir uns ja schon daran gewöhnt und lassen uns davon überhaupt nicht beeindrucken.
Wir fahren als erstes direkt auf die E4 Richtung Jönköping und folgen ihr bis zur Ausfahrt Huksvarna. Ab da nehmen wir die 132 und biegen in Lekeryd links zum Kulturreservat Åsens by ab, unserem ersten Stopp (Åsen 1, 578 92 Aneby – Web). Auf einem großzügigen Parkplatz lassen wir Leo stehen und gehen durch ein kleines, altes Holztor, welches uns im Kulturreservat willkommen heißt. Wir schreiten einen kleinen Naturpfad hinauf und merken schnell, wie wir heute erneut eine kleine Zeitreise unternehmen. Wiesen mit Schilf säumen den Anstieg, ein kleiner Bachlauf plätschert vor sich hin, der Weidezaun droht dem Wetter jeden Moment nachzugeben und die Begrenzungssteine sind bereits mit Moos überwuchert.
Wie vor 100 Jahren
Wir fühlen uns, als sei die Zeit hier stehen geblieben. Das ist gewissermaßen auch Absicht. Åsens by zeigt, wie ein småländisches Dorf vor 100 Jahren aussah. Als Besucher darf man unbeschränkt auf Wegen und Pfaden wandern und erleben, wie die Selbstversorgung im frühen 20. Jahrhundert funktionierte. Sämtliche Methoden zur Acker-, Wiesen- und Weideflächennutzung stammen aus dieser Zeit. Sowohl bei der Tierzucht als auch beim Pflanzenanbau wird soweit wie möglich mit älteren Sorten bzw. mit vom Aussterben bedrohten Tierarten gearbeitet.[1] Ein Wohnhaus, ein Stall, ein Waschhaus und ein Toilettenhäuschen sind in ursprünglichem Zustand erhalten und frei zugänglich. Um dies alles, insbesondere Kindern und Jugendlichen näher zu bringen, fungiert Åsens by auch als Naturschule mit dem Schwerpunkt Natur- und Umweltpädagogik.



Zurück im Wohnmobil wärmen wir uns auf, stärken uns bei einem zweiten Frühstück und widmen uns anschließend – unter strengem Blick der gegenüber weidenden Schafe 😀 – der Weiterfahrt. Diese führt uns auf verschlungenen Wegen und an falunroten Häusern vorbei nach Röttle, ca. fünf Kilometer südlich von Gränna. Auf dem Röttle Parkering & Röttlestigen (563 92 Gränna, Schweden) stellen wir unser Wohnmobil ab und folgen der Straße bzw. Beschilderung zum Rasmus Kvarn.
Zunächst erreichen wir einen kleinen Wasserfall und erfahren von den Informationstafeln vor Ort einige Details zum Fluss. Er trägt denselben Namen wie die Stadt und hat seit dem 12. Jahrhundert unzählige Wasserräder angetrieben. Mit der Ansiedlung von Müllern, Schmieden und Papiermachern sowie der Errichtung des Röttle Hafens erlangte sowohl der Fluss als auch der Ort Röttle große Bedeutung. Dies änderte sich jedoch jäh durch das Zeitalter der Industrie und des 1922 in Gränna fertiggestellten Elektrizitätswerks.


Es klappert die Mühle…
Wir folgen dem Flusslauf, lassen uns zwischendurch immer wieder von den am Wegesrand duftenden Fliederbüschen verzücken und erreichen schließlich Rasmus Kvarn. Die alte Mühle wurde in den Jahren 1976-1977 renoviert und in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt.[2] Über einen Steg kann man sozusagen durch die Mühle hindurchlaufen und die drei Wasserräder anschauen. Auf der anderen Seite führt eine kleine Brücke über den Fluss, von der wir auf den Wasserlauf der Röttle sehen können.



Von der Mühle aus gehen wir den Weg am Fluss noch ein Stück weiter bis ein kleiner Waldweg links abzweigt und uns bergauf führt. Wir befinden uns mitten im Naturreservat Västanå. Uns umgeben meterhohe Laub- und Nadelbäume, die teilweise umgestürzt herumliegen und genau wie die kriechenden Weinbergschnecken hier und da unseren Weg kreuzen.
Der Regen des heutigen, aber auch der vergangenen Tage macht den moosbedeckten Weg zu einer überraschenden Rutschbahn und bringt uns mächtig ins Schwitzen. Doch die Anstrengung wird belohnt. Oben angekommen, werden wir mit einem traumhaften Ausblick auf den See Vättern belohnt. Trotz des wolkenverhangenen Himmels reicht die Sicht bis hinüber ans andere Seeufer.



Willkommen im Schlaraffenland
Unser Weg zurück zum Parkplatz führt uns an einem beeindruckenden Gebäude vorbei. Von außen sieht es majestätisch wie eine alte Burg aus. Bei näherer Betrachtung erweist es sich allerdings als das 4* Hotel Gyllene Uttern (Gyllene Uttern 1, 563 92 Gränna – Web). Ein bisschen traurig und geknickt, es nicht besichtigen zu können, laufen wir weiter.
Unsere Stimmung hellt sich jedoch augenblicklich auf, als wir auf der gegenüberliegenden Straßenseite die Cabbe Polkagrisfabrik (Gyllene Uttern 7, 563 92 Gränna) entdecken. Wir überqueren die Hauptverkehrsstraße und finden uns wenige Sekunden später in einem Schlaraffenland aus echten Gränna-Zuckerstangen wieder. Während der Öffnungszeiten kann man hier zuschauen, wie diese weltbekannte Süßigkeit hergestellt wird. Ein Vorgeschmack auf das, was die Stadt Gränna berühmt macht.


Eine steife Brise
Wieder am Parkplatz angekommen, erspähen wir zwischen den Bäumen eine kleine Treppe, die zum See Vättern führen muss. Neugierig folgen wir ihr und stehen kurzerhand an dem ehemaligen Röttle Hamn (Röttle Hafen). Viel ist von damals leider nicht übrig geblieben. Doch der Blick auf den See ist unverändert schön. Würde uns der Wind nicht so stark um die Nase wehen, hätten wir gerne an einem der Picknicktische Platz genommen und auf dem mit Steinen gesäumten Steg verweilt.
Stattdessen treten wir den Rückweg an und verschnaufen kurz in unserem Camper, um anschließend die letzten Kilometer bis zu unserem heutigen Tagesziel zurückzulegen. Dieses lautet Campingplatz „First Camp Gränna-Vättern“. Aber mit leerem Magen schläft es sich schlecht, sodass wir im Supermarkt „Coop Gränna“ (Hamnvägen 4, 563 31 Gränna) noch schnell eine Kleinigkeit für das Abendessen einkaufen. Die Besichtigung von Gränna selbst verschieben wir aufgrund der fortgeschrittenen Stunde auf den nächsten Tag.
Unser Fazit: Zugegeben, die Sehenswürdigkeit Asens by gehört sicherlich nicht zu den TOP 10, ist aber dennoch ein kleines Highlight, das mit viel Liebe zum Detail erhalten wird. Und schließlich begibt man sich nicht häufig auf Zeitreise. Das Reservat ist das ganze Jahr über geöffnet; der Eintritt ist frei. Der Ausflug dorthin ist genauso zu empfehlen wie der Halt in Röttle, sofern man sowieso auf dem Weg nach Gränna ist. Wer ausreichend Zeit hat, kann vom Parkplatz beim Röttle Hamn auch den Rundwanderweg erkunden. Er führt an den historischen Mühlen vorbei und gibt preis, was von Fluss und Ort Röttle nach so vielen Jahren noch übrig geblieben ist.
Der Campingplatz in Gränna zählt zu einer Kette namens „First Camp“. Dabei handelt es sich um recht luxuriös ausgestattete Plätze, die entsprechend ihren Preis haben. Gränna sowieso, da es sich unter anderem auch als hervorragender Ausgangspunkt für einen Abstecher auf die Insel Visingsö eignet. Nähere Ausführungen dazu am nächsten Tag.
Quellenangaben:
[1] https://asensby.se/en/about-asens-by/asens-by-today/ (letzter Abruf: 28.07.2020)
[2] https://www.grennamuseum.se/?page_id=51 (letzter Abruf: 28.07.2020)