Was wäre ein Leben ohne… Smartphone?

Manche bekommen regelrecht einen Herzinfarkt, wenn sie es nicht bei sich haben. Fluchen laut und panisch vor sich hin, wenn sie es nicht sofort finden. Und sehen es als ihren wichtigsten Lebensbegleiter an, ohne den sie nicht einen Fuß vor die Tür setzen. Sie scheinen miteinander verschmolzen zu sein. Eine wahre Romanze – aber nicht mit dem Lebenspartner, sondern mit dem Smartphone. Ein kleines Wunder der Technik, das unser Leben maßgeblich verändert hat.

Ein Sprung in die Kindheit

Ich weiß es, als wäre es gestern gewesen. Mein erstes Handy. Es war dunkelblau und hatte eine ausziehbare Antenne. Auf den weiß-transparent herausstehenden Gummitasten tippte ich meine erste SMS. Eigentlich war es das Handy meines Dads, aber ich durfte es mitbenutzen. Irgendwann kannte ich das Gerät besser als er – sodass es nur eine Frage der Zeit war, bis es schließlich vollständig in meinen Besitz überging.

Mann, fühlte sich das cool an. Ein eigenes Handy. Wenn nur die SMS-Gebühren nicht so hoch gewesen wären?! Aber auch die änderten nichts an der Tatsache, dass jeder eins haben wollte. Eine der bekanntesten Handymarken heute wie früher ist Nokia. Es gibt in meiner Generation sicherlich keinen, der nicht mindestens ein Exemplar sein Eigen nannte oder sogar noch nennt. Selbst nach mehr als 20 Jahren schlummern sie in Schreibtischschubladen, Schränken und Schuhkartons. Wegen ihrer Robustheit oder einfach aus Nostalgiegründen sind sie begehrt wie eh und je. Auch ich krame gerne ab und zu mein 3310 heraus, halte es stolz in den Händen und erinnere mich an die vielen „Snake“-Nachmittage.

Von der Vergangenheit in die Gegenwart

„Snake“ ging schon über den damals üblichen Leistungsumfang eines Handys hinaus. Die grundlegenden und meistgenutzten Funktionen waren – man mag es heutzutage kaum glauben – Telefonieren und SMS schreiben. Nicht mehr und nicht weniger. Es schenkte uns damit jedoch ungeahnte Freiheit. Ortsunabhängig jemandem eine Nachricht zu schicken und im Notfall erreichbar zu sein, war für einige von uns unvorstellbare Wirklichkeit geworden.

Mit dem (mobilen) Internet und einer eingebauten Kamera kamen neue Möglichkeiten hinzu. Plötzlich konnte man unterwegs Informationen recherchieren, Spiele herunterladen und Fotos machen. Alternativen zur bisherigen, herkömmlichen Kommunikation kamen auf und liefen der SMS langsam, aber stetig den Rang ab. Aus dem Handy wurde ein Smartphone. Und damit für einige Menschen ihr persönliches Zentrum des Seins.

Denken vs. Googlen

Der leichte Zugang zu Informationen jeglicher Art lässt uns schneller googlen als denken. Browser aufrufen, Frage oder Stichwort ins Suchfeld eingeben, und das Ergebnis wird angezeigt. Genauso verhält es sich mit Telefonnummern. Hand aufs Herz, wer kennt noch die Telefonnummern von Familie und Freunden auswendig? Früher konnte ich jede Festnetznummer aus dem „FF“ vorwärts und rückwärts aufsagen – selbst im tiefsten Tiefschlaf hätte ich sie problemlos wählen können. Heute? Keine Chance. Ich bin froh, wenn ich mir meine eigene Mobilfunknummer merken und im Bedarfsfall ohne Zahlendreher fehlerfrei nennen kann.

Das Smartphone ist also zu einer Art „Zweitgehirn“ geworden. Mit ihm in der Tasche sind die wichtigsten Informationen immer griffbereit. Und jedes Problem scheint im Nu gelöst. Aber ist dem wirklich so? Verbessert und erleichtert ein Smartphone unser Leben? Oder werden wir stinkfaul und lassen unsere mühsam über die Jahre miteinander verbundenen Synapsen verkommen, weil wir das Denken einem technischen Gerät überlassen? Übertreiben wir es einmal so richtig und verkriechen uns für ein Tag in die Untiefen der App-Welt.

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