Dem Namen nach scheint er ein niedlicher, kleiner Geselle zu sein. Ein putziges Tierchen, dem man gerne Asyl gewährt. Aber auf den zweiten Blick gehört der „Schweinehund“ zu den unliebsamen Zeitgenossen und entwickelt sich zwischenzeitlich zu einem wahren Monster. Ein Monster, das während seines Besuchs gerne Besitz von uns ergreift und uns nicht mehr in Ruhe lassen möchte. Der Schweinehund hindert uns daran, Dinge, zu denen wir keine Lust haben und die Unbehagen in uns verursachen, in Angriff zu nehmen. Er verteidigt beharrlich Gewohnheiten, boykottiert Veränderungen und steht daher häufig als Allegorie für fehlende Willensstärke.
…das verschiebe nicht auf morgen.
Nicht selten wird der Ausspruch „Du musst nur deinen inneren Schweinehund besiegen“ als wohlgemeinter Ratschlag gegeben, um jemand anderen oder sogar sich selbst von eigentlich ungeliebten Dingen zu überzeugen, z. B. von gesundem Essen oder Sport. Das ist natürlich leichter gesagt als getan. Wie mir geht es bestimmt vielen. Es fehlt der Antrieb. Der Antrieb, den ersten Schritt zu machen. Denn warum sollte ich mich gesünder ernähren oder mehr Sport treiben, wenn mir keines von beidem Spaß macht?
Es ist viel bequemer, alles aufzuschieben und einer, sich bereits bewährten Alternative nachzugehen. Auch wenn die Alternative, objektiv betrachtet, nicht wirklich erstrebenswert ist. Nämlich beispielsweise zwei Mal wöchentlich zum Fast Food Laden um die Ecke zu gehen und lieber mit dem Auto statt dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren. Doch aus Erfahrung weiß ich, der einfache Weg ist selten der richtige.
Der Kampf gegen den eigenen Schweinehund – Selbstmotivation
Schlüssel der ganzen Misere ist häufig die eigene Motivation, einhergehend mit der notwendigen Portion Begeisterung. Warum sollte ich etwas anders machen, wenn ich doch gerade zufrieden bin? Die naheliegende Antwort „weil es dir gut tut“ ist zwar vielleicht korrekt, aber wenig sachdienlich. Sie führt nicht dazu, dass meine Motivation steigt. Wie wäre es jedoch, wenn man etwas findet, wodurch gesundes Essen oder Sport leichter von der Hand gehen?
Im Fall von „gesünderem Essen“ habe ich mir die folgenden Fragen gestellt: Woran liegt es, dass ich nicht gesünder esse? Nervt mich das ständige Einkaufen, das Zusammentreffen von Alt und Jung im Supermarkt abends nach der Arbeit? Fehlen mir die Ideen, welche Gerichte als gesund und nahrhaft für mich gelten? Oder bin ich einfach nicht der geborene Koch, der sich jeden Abend eine Stunde vor eine Vielzahl heiß dampfender Kochtöpfe stellt?
Dem Grund auf den Grund gehen
Es hilft, eine Art Selbstversuch zu machen und sich zu beobachten. Tatsächlich habe ich eines Tages eine der Fragen für mich als entscheidenden Grund identifiziert: Aufpassen, dass nichts überkocht, ständiges Rühren, Bratpfanne schwenken und überlegen, welches von den zwanzig Kräutern im Gewürzschrank den Geschmack abrundet, gehören einfach nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Es bringt mir – im Vergleich zu vielem Anderen – keinen Ausgleich vom geschäftigen Alltag. Im Gegenteil, es erhöht mein Stresslevel zusätzlich.
Nachdem das eigentliche Problem identifiziert war, überlegte ich mir eine Lösung. Auf Essen zu verzichten und den knurrenden Magen zu ignorieren, stellte schließlich keine sinnvolle Option dar. Ohne an dieser Stelle Werbung zu machen; meine Lösung war ein Thermomix®. Für diejenigen, die damit nichts anfangen können, ganz kurz erläutert: Es ist eine Art Topf, der zerkleinern, dünsten, rühren, pürieren, kneten und vieles mehr kann. Dazu gibt es spezielle Gerichte, die sich damit zubereiten lassen und vom Hersteller Vorwerk mit „Gelinggarantie“ ausgezeichnet sind.
Manch einer mag es genauso wenig glauben wie ich, aber seitdem überwinde ich regelmäßig meinen dazumal riesigen Schweinehund. Ich zaubere (schnell und einfach!) Gerichte, die mir schmecken, die aus leckeren, frischen und gesunden Zutaten zubereitet sind und die vor sich hin köcheln, ohne dass ich aktiv etwas dazu beitragen muss. Wenn es mir beliebt, kann ich mich während der Kochzeit sogar mit etwas völlig Anderem beschäftigen; mit etwas, das mir tatsächlich Spaß macht. 😀
Eigene Begeisterung schaffen
Auf was ich hinaus möchte: Es ist wichtig, für sich den Grund zu finden, der zu mangelnder Motivation führt. Ist dieser identifiziert, lässt er sich reduzieren oder sogar beheben und zu etwas Positivem wandeln. Ansonsten schieben wir unsere Unlust von Tag zu Tag vor uns her und belasten uns damit.
Dem Thema „Sport“ lässt sich damit vielleicht ähnlich begegnen. Spielen wir es einmal durch: Woran liegt es, dass man nicht gerne Sport macht? Sind einem die gestählten Körper im Fitnessstudio zuwider? Hat man keine Lust, sich alleine zu quälen? Gehen wir davon aus, dass das Selbstbewusstsein ausreicht, um die muskelbepackten Michelin-Männchen an den Fitnessgeräten einfach zu ignorieren, wäre die erste Option, sich Mitstreiter zu suchen. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Nie hat dieser Spruch besser gepasst.
Als zweites wäre noch zu überlegen, wo sich das nächste Fitnessstudio befindet. Lange Wege zum Fitnessstudio sollten vermieden werden – und damit zusammenhängend auch der Umweg über Zuhause. Ohne Sichtkontakt zum kuscheligen Sofa lässt sich der Schweinehund klein und handlich halten, und vielleicht sogar in Luft auflösen.
Ein wahrer Überlebenskünstler
Nachdem er überwunden ist, erfüllt den Körper ein Glücksgefühl. „Ich habe es geschafft!“. Für dieses Gefühl lohnt es sich, den Schweinehund nicht nur Gassi zu führen, sondern ihn auf dem Nachhauseweg einfach – entgegen jeglicher sonst vorhandenen Tierliebe – irgendwo auszusetzen und sich selbst zu überlassen. Die gewonnene Freiheit sollte man genießen und nach Leibeskräften verteidigen. Leider ist der Schweinehund ein wahrer Überlebenskünstler, steht schneller als vermutet wieder unaufgefordert vor der Tür und macht es sich erneut in den eigenen vier Wänden gemütlich. Zuhause ist es halt doch am Schönsten. 😉