Schweden 2019 // Tag 1: Ein „Leo“ für alle Fälle

Es gibt Menschen, die unglaublich gerne reisen. Aber wenn sie sich ihr Ziel aussuchen dürfen, liegt es eher irgendwo im warmen Süden. Zu diesen Menschen gehöre ich. Zum Glück gibt es viele Bekannte, Arbeitskollegen und Freunde, die von Ländern erzählen, die abseits meines selbst gesetzten Südhalbkugel-Radars liegen. Und zum Glück schwärmen sie mit solcher Begeisterung davon, dass ich doch beschließe, von mir eigentlich aus dem Raster fallende Gegenden zu besuchen.

So auch bei Schweden. Was ich mit dem Land Schweden verbinde, ist schnell gesagt: Es ist schön, aber saukalt – zumindest immer kälter als in Süddeutschland. Daher stellte ich mir die ernst gemeinte Frage, weshalb ich für meinen Jahresurlaub sommerliche 35 Grad Außentemperatur gegen milde 20 Grad eintauschen sollte? Ich hoffe, ich werde die Antwort spätestens in ein paar Wochen finden und springe über meinen Schatten: Wir buchen Flüge nach Stockholm und mieten ein Wohnmobil, mit dem wir Südschweden selbst erkunden können.

„Välkommen till Stockholm“

Am 16. Mai 2019 gegen 10 Uhr geht es auch schon los. Zunächst zu einem kleinen Hotel in der Nähe des Frankfurter Flughafens. Unser Flug am nächsten Morgen startet so früh, dass wir bereits am Vortag anreisen. Zudem brauchen wir uns keine Gedanken um unser Auto und einen Parkplatz machen. Der Shuttlebus-Service bringt uns zum Terminal. Mal abgesehen von der morgendlichen Dunkelheit, die uns die unmenschliche Tageszeit verinnerlichen lässt, sind wir entspannt und startbereit für den Urlaub.

Nach knapp 2-stündiger Flugzeit landen wir voller Vorfreude am internationalen Flughafen Stockholm-Arlanda. Viel Zeit zum Verweilen bleibt uns nicht. In der Ankunftshalle werden wir bereits von einem Mitarbeiter der Wohnmobilvermietung McRent erwartet (Website McRent). Er fährt uns zur ca. 45 Minuten entfernten Mietstation in Bålsta. Leider gehört er nicht zu den kommunikativsten Schweden, sodass sich die Fahrt länger anfühlt als sie tatsächlich ist.

Versteckte Kamera?!

Schließlich erreichen wir ein an ein Industriegebiet erinnerndes Gelände und erkennen die sechs grün/gelben McRent-Buchstaben. Dank des in Deutschland getätigten Online-Check-ins können wir vor Ort direkt in einem separaten Räumchen mit Monitor Platz nehmen und den „Erklärfilm“ zum korrekten Reisen mit einem Wohnmobil anschauen. Denn ohne Film keine Autoschlüssel. Ein wenig fühlen wir uns wie in diesen Beobachtungszimmern bei „Die versteckte Kamera“. Vorhang zu, Film starten – Kamera, Action! „Was werden die zwei tun? Schauen sie den Film aufmerksam an?“. 😀

Zum Glück ist es nicht unsere erste Reise mit einem Wohnmobil. Daher sind wir mit den meisten Instruktionen bereits bestens vertraut. Und auch mit dem Film. Automatisch können wir uns ein Schmunzeln über die teilweise stark übertriebene Intonation des Sprechers kaum verkneifen.

Nichtsdestotrotz, unser Wissen ist aufgefrischt. Tanken, Markise ausfahren, Wasserwechseln, kochen, duschen und Toilettennutzung. Check. Jetzt fehlen nur noch die Formalitäten. Dann ist es endlich soweit. Gespannt beobachten wir, wie unser Wohnmobil vor die Tür gefahren wird. Auf den ersten Blick sieht es sehr neuwertig und geräumig aus. Wir sind gespannt, wie es sich tatsächlich fahren und darin schlafen lässt.

Mittlerweile ist es früher Nachmittag und wir machen uns auf den Weg zu unserem ersten Ziel: Zum Supermarkt in Enköping (sprich: „Enschöping“). Eine kurze Strecke von gerade mal 30 Kilometern. Aber ausreichend, um sich mit dem riesigen Gefährt vertraut zu machen. Auf dem Parkplatz angekommen, wartet sogleich die erste Herausforderung auf uns: Von großen, extra ausgewiesenen Wohnmobil-Parkplätzen fehlt jede Spur. Wir nehmen daher einfach mit zwei freien, etwas abseits liegenden PKW-Parkplätzen Vorlieb und stürzen uns ins Supermarkt-Getümmel.

Unter Schweden

Doch alles braucht seine Zeit: Wo ist der Eingang und wo die Kassen? Wo finden wir einen Einkaufswagen? Wollen wir einen Handscanner nehmen und direkt selbst unseren Einkauf einscannen? Letzteres beantworten wir entschieden mit „Nein“, denn die anderen Fragen fordern uns bereits ausreichend.

Langsam schreiten wir durch die Gänge und überlegen, was und wieviel wir die nächsten Tage brauchen. Neben Lebensmitteln sind Dinge wie Spülmittel, Küchenrolle und Toilettenpapier unerlässlich. Unser Einkaufswagen füllt sich zusehends und die Spannung, ob wir das alles im Wohnmobil verstaut bekommen, steigt. Die Bedenken sind unbegründet. Tatsächlich findet alles (s)einen Platz.

Der Urlaub fängt ja gut an…

Während wir unseren Einkauf verstauen, machen wir sogleich Bekanntschaft mit dem schwedischen Recht: Ein Knöllchen klebt an unserer Windschutzscheibe. Wir haben anscheinend das Schild „Parken nur mit Parkscheibe“ übersehen – wir müssen dringend Schwedisch lernen. 😉 Der Kontrolleur ist leider unnachgiebig – auch die Touristenkarte zieht nicht. Uns bleibt nichts anderes übrig. Wir müssen in den sauren Apfel beißen, den Strafzettel irgendwie in den nächsten Tagen bezahlen und uns für das nächste Mal eine Parkscheibe besorgen. Diese gehört nämlich leider nicht zur Grundausstattung.

Wir versuchen, dieses unnötig teure Erlebnis abzuhaken und steuern unseren ersten Campingplatz an; den nur wenige Kilometer vom Supermarkt entfernten und am blauen Mälarsee gelegenen „Nordic Camping Bredsand“ (22 Bredsandsvagen, 74948 Enköping – Web). Wie im Hotel gibt es am Eingang jedes Campingplatzes eine kleine Rezeption, bei der man sich anmeldet und entweder einen Stellplatz zugewiesen bekommt oder sich diesen sogar selbst aussuchen darf. Grundregel: Je näher am Wasser, desto teurer.

Nordic Camping Bredsand gehört zu einem von rund 2.500 Camping- und Wohnmobil-Stellplätzen, die die Rabattkarte „Camping Key Europe“[2] akzeptieren. Diese gewährt unter anderem 20% Ermäßigung auf Übernachtungen, Rabatte auf Camping-Artikel, beinhaltet einen umfangreichen Versicherungsschutz und ermöglicht einen schnelleren Check-in. Man kann sie sowohl vor der Reise in Deutschland über den ADAC erwerben oder – wie wir – beim ersten Campingplatz vor Ort. Sie kostet 160 SEK (ca. 15 Euro, für ADAC-Mitglieder 12 Euro).[3]

„Wohnmobil“ ist so unpersönlich…

Das Wetter ist traumhaft und lädt uns zu einer kleinen Erkundung des Camping-Areals ein. Wie fast alle Campingplätze verfügt Bredsand über sanitäre Einrichtungen, eine Gemeinschaftsküche und einen Waschraum. Im Sommer sind die Bade- und Grillstellen am Ufer gut besucht, wenn nicht sogar gnadenlos überfüllt. Während der Vorsaison, in der wir uns gerade befinden, haben wir den Strand nahezu für uns allein. Wir genießen das in der Sonne glitzernde Wasser und die seicht rauschenden Wellen.

Zeit, sich über einen Namen für unser Wohnmobil Gedanken zu machen. Der Begriff „Wohnmobil“ ist eindeutig zu sperrig und unpersönlich. Wir suchen einen groß und erhaben klingenden Namen, um den fast sieben Metern Länge gerecht zu werden. Gleichzeitig soll er aber Verlässlichkeit und Vertrauen ausstrahlen. Immerhin werden wir gemeinsam einige Hundert Kilometer Strecke zurücklegen. Nach mehreren verworfenen Ideen wird „Franz Leopold I.“, oder kurz und liebevoll „Leo“, unseren Ansprüchen gerecht. Leo wird die nächsten 1,5 Wochen unser treuer Begleiter sein, unser kleines fahrendes Zuhause, das uns von A nach B bringt sowie bei Wind und Wetter Zuflucht gewährt.


Unser Fazit: Es gibt die unterschiedlichsten Möglichkeiten, Schweden zu erkunden. Unter anderem auch tolle, bereits von einem Reiseveranstalter vorgegebene Routen mit Hotels, die man in einem vordefinierten Zeitraum mit einem Mietwagen abfährt. Für Menschen wie uns, die Routen, Stopps und Ausflugsziele ganz individuell aufgrund von Wetter, Lust und Laune selbst festlegen, ist das eher nicht das Richtige. Unsere Wahl fiel aus diesem Grund auf eine Wohnmobilreise.

Die Anbieterauswahl war schnell erledigt. In Reiseberichten anderer Schweden-Urlauber haben wir viel Positives über den Anbieter „McRent“ gelesen. Die zur Verfügung stehenden Fahrzeuge und die Vorsaison-Aktion haben uns die Entscheidung sehr leicht gemacht. Zudem ist der hinzubuchbare Transfer vom Flughafen zur Mietstation sehr empfehlenswert, um unbeschwert und stressfrei in den Urlaub zu starten.

Die Auswahl des richtigen Fahrzeugs ist dagegen gar nicht so einfach, denn trotz Mobilität und Flexibilität möchte man beim Reisen auf einen gewissen Komfort nicht verzichten. Wir haben uns daher für die 2,5-Personen-Variante „Compact Plus“[1] entschieden. Mit etwa 6,6 Metern Länge und 2,7 Metern Höhe ist sie ordentlich groß, aber noch wendig genug, um sie mit dem normalen PKW-Führerschein problemlos manövrieren zu können. Außerdem sind Schlaf- und Essbereich separat, sodass beispielsweise abends kein Tisch zum Bett umgebaut werden muss.

Bei den Fahrzeugtypen gibt es dennoch kleine, aber feine Unterschiede. Der online exemplarisch angegebene Fahrzeugtyp unterscheidet sich zu unserem vor Ort ausgehändigten Globebus T7 vor allem in der zusammenhängenden Liegefläche (statt zwei Einzelbetten) und der vom WC-/Waschraum räumlich getrennten Dusche.

Für die Fahrzeugübernahme sollte man ausreichend Zeit einkalkulieren und für diesen Tag keine weiteren, größeren Strecken planen. Insbesondere wenn man noch nie zuvor ein Wohnmobil gefahren ist, sollte man sich in aller Ruhe einweisen und alles zeigen lassen.

Wer noch nie mit einem Wohnmobil unterwegs war und sich darauf etwas vorbereiten möchte, findet die wichtigsten Hinweise und Informationen auf dem YouTube-Kanal von McRent. Dort werden alle Fragen zum Fahren, Kochen, Heizen, Tanken und zur Innenausstattung sowie zur Entsorgung des Abwassers leicht verständlich in Form von Videos beantwortet.

Quellenangaben:
[1] https://www.mcrent.de/wohnmobile/ (letzter Abruf: 28.02.2020)
[2] https://campingkeyeurope.com/ (letzter Abruf: 28.02.2020)
[3] https://www.adac-shop.de/camping/camping-key-europe (letzter Abruf: 28.02.2020)

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