Schwanger… – Zwischen Welpenschutz, 1-Zimmer-Wohnung und großer Liebe

Er ist dein erster Gedanke am Morgen und dein letzter, wenn du ins Bett gehst. Er lässt dich schlechter und vor allem weniger schlafen. Stellt deine Hormonwelt komplett auf den Kopf. Lässt Vergesslichkeit irgendwie zur Normalität werden.

Aber komischerweise ist man ihm nie böse. Als ob es einen inneren Schalter gibt, der betätigt wurde und alles akzeptabel macht. Als würde eine Stimme sagen „Kein Problem, das ist jetzt einfach so.“ Und damit ist man zufriedengestellt. Dieser kleine Mensch, der im Bauch heranwächst, bekommt eine Art „Welpenschutz“. Obwohl man weder weiß, wie er aussieht, noch was für ein Mensch er überhaupt ist, darf er alles tun und lassen, was er möchte.

Zu Besuch beim neuen Untermieter

Jeder Ultraschalltermin ist wie ein kleiner Besuch in seiner gemütlichen 1-Zimmer-Wohnung. Man kann es kaum erwarten, dass die Reise losgeht. Die Fahrtkarte ist schon weit im Voraus gekauft, es heißt nur jedes Mal noch bis zum Anreisetag ausharren. Und zwar mit Spannung und riesengroßer Vorfreude. Als hätte man sich über Jahre hinweg nicht gesehen.

Wenn der Tag endlich gekommen ist, kann man es kaum glauben. Auch nach dem dritten, vierten oder fünften Besuch überschlagen sich die Gefühle und Gedanken. Was man in diesem Moment auf dem Bildschirm sieht, kann doch einfach nicht wahr sein. Wie können sich da kleine Augen, kleine Hände und Füße bilden, die plötzlich gespannt ihre Umgebung erkunden?! Der kleine Fleck in der Mitte ist das Herz?! Es scheint die eigene Aufregung zu teilen.

Der Besuch in der plötzlich untervermieteten 1-Zimmer-Wohnung dauert nur wenige Minuten. Dann heißt es auch schon wieder Abschied nehmen. Die kleine, sich bewegende Hand winkt zum Abschied. Bis zum nächsten Mal! Bis dahin „sprechen“ wir einfach regelmäßig miteinander. Man ertappt sich immer öfter dabei, nach dem Wohlbefinden zu fragen, eine Meinung mitzuteilen oder einfach nur Small Talk zu betreiben. Und dabei auch dieses kleine Wesen dazu zu ermuntern, von seinem Tag und seinen Erlebnissen zu berichten. Jeder kleine Tritt ist wie eine kurze Konversation und gleichzeitig die unausgesprochene Bestätigung „Mir geht es gut“.

Der Beginn einer Liebesbeziehung

Kurz um, man lernt sich kennen. Stück für Stück und immer etwas besser. Wie bei einer richtigen Liebesbeziehung: Die anfängliche, flüchtige Bekanntschaft weckt beiderseitiges Interesse. Man teilt Gemeinsamkeiten, Gedanken, Gefühle. Es harmoniert und irgendwann möchte man sich sehen – zumindest mal über eine Webcam. Wenn einem gefällt, was man sieht, soll die Webcam dem persönlichen Treffen weichen.

Aber nicht sofort. Man lässt noch ein wenig Zeit verstreichen, bis man sich wirklich sicher ist. Bis sich die Neugier nicht mehr verbergen lässt. Man vereinbart einen Treffpunkt. Und plötzlich ist es um beide geschehen. Sie gehen von nun an gemeinsame Wege, wachsen zusammen, wissen aber, dass die Zeit begrenzt ist. Irgendwann werden sich ihre Wege auch wieder trennen. Aber es wird immer die große Liebe bleiben.

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