Und plötzlich ist alles anders…

Von einem Tag auf den anderen ist nichts mehr, wie es war. Ganz anders als man es sich vorgestellt hat. Aber WIE hat man sich im Vorfeld das Leben mit einem Baby eigentlich vorgestellt?

Die Vorfreude bis zur Ankunft des Winzlings ist riesig – da sind sich bestimmt alle werdenden Eltern einig. Man fiebert jeder Untersuchung entgegen und kann ein ums andere Mal nicht glauben, wie solch ein kleines „Ding“ größer und größer wird. Sobald es jedoch da ist, merkt man erst, auf was man sich da eingelassen hat. Werdende Eltern, die das Abenteuer „Baby“ noch bestreiten möchten, sollten an dieser Stelle lieber aufhören zu lesen oder dem Kommenden entspannt entgegensehen, da es meist sowieso nichts an dem sehnlichen Kinderwunsch ändert. 😉

Alles „easy-peasy“, oder?

Das Leben wird über Nacht oder Morgen (je nachdem, wann der Nachwuchs gedenkt das Licht der Welt zu erblicken) auf den Kopf gestellt. Es hat nichts mit den romantisierten Erzählungen in Kursen, Filmen und Büchern gemein. Das muss mal an dieser Stelle gesagt werden. Hebammen stellen in Geburtsvorbereitungskursen alles „easy-peasy“ dar. Okay, entweder weil sie Hebammen sind und es von Berufswegen nicht anders sehen. Oder weil sie bei den werdenden Eltern keine Angst schüren möchten. Aber mal ehrlich, ist es nicht besser auf alles gefasst zu sein, die Wahrheit zu kennen und die Zeit bis zum Ausbrechen des Chaos‘ noch zu genießen?!

Wie auch immer, das Wochenbett wird als kleine, heile Welt dargestellt. Es heißt, man solle sich ausruhen, die Zeit mit dem Baby genießen und alles um sich herum vergessen oder zumindest auf später verschieben. Welches später? Wenn das Baby 18 Jahre alt und von zu Hause ausgezogen ist? Ja, zugegeben, es ist überspitzt. Aber blickt man der Tatsache ins Auge, heißt es ab dem Zeitpunkt der Geburt nur noch „Was braucht das BABY?“. Ein ICH gibt es gefühlt nicht mehr. Das „Genießen“ fällt unter diesem Aspekt sehr schwer.

Die Natur im „Blitzdings“-Modus

Tatsächlich habe ich im Vorfeld keine Eltern getroffen, die ich in irgendeiner Art und Weise habe sagen hören „Überlegt euch das gut mit einem Kind“, „Die ersten drei Monate sind einfach die Hölle!“ oder „Schafft euch bloß eine Haushaltshilfe an!“. Alle schwärmen nur in den höchsten Tönen von ihren Erlebnissen mit dem Baby. Meine Theorie: Die Natur ist sehr gewieft. Ich bezeichne sie auch gerne als „kleines Arschloch“. Nach einer unaussprechlich, anstrengenden Nacht genügt am Morgen ein Blick in die strahlenden, glücklichen Augen seines Babys und jegliche Erinnerungen an die vergangenen acht Stunden sind wie weggeblasen. Eine Art „Blitzdings“ wie aus Men in Black. Eltern gelingt es so, jeden Tag für ihr Kind da zu sein und werdenden Eltern niemals die Wahrheit über den Alltag mit Kind zu erzählen – selbst wenn sie wollen.

Ja, die Zeit mit dem eigenen Kind ist wunderschön, die man hinterher keinesfalls missen möchte. Aber es ist auch die anstrengendste – für die man bei erfolgreichem Bestehen keine Urkunde ausgehändigt bekommt. Weder Fahrschulprüfung oder Abschlussarbeiten noch Hochzeitsvorbereitungen oder das nächtliche Lernen auf Klausuren verlangen einem so viel ab. Jeden Tag aufs Neue heißt es für das Kind da zu sein. Egal wie es einem selbst geht. Es kostet manchmal die maximale Überwindung, einfach zu funktionieren und jegliche eigenen Bedürfnisse hinten anzustellen. Vor allem, wenn Schlafmangel den gesamten Körper von Kopf bis Fuß erfasst. Plötzlich kann man sich gut vorstellen, welch effektive Foltermethode das früher gewesen sein mag.

Sich selbst kennenlernen

Wie sagte meine Hebamme eines Tages: „Für jeden Beruf müssen wir zwei bis drei Jahre in die Ausbildung gehen und lernen. Nur Eltern sein, sollen wir von heute auf morgen können.“ Ein Satz, der mich sehr geprägt hat. Die Erwartungen an sich selbst, alles unter einen Hut zu kriegen und perfekt zu machen, sind insbesondere am Anfang immens. Um Hilfe bitten, ist für einen gleichbedeutend mit „Ich bin schlecht.“, „Ich habe versagt.“ Dabei ist das der größte Quatsch. Mittlerweile weiß auch ich, dass man untergeht, wenn man sich keine Unterstützung holt. Eine kurze Auszeit, die man dazu nutzt, genau das zu tun, was man liebt, ist unbezahlbar. Und was man dabei häufig vergisst: Um Hilfe bitten, ist eine Wertschätzung gegenüber den Menschen, die uns umgeben. Sie bieten uns aus Liebe, Führsorge und Hilfsbereitschaft ihre Zeit an. Was gibt es Schöneres?!

Mit einem Kind lernt man also auch sich selbst besser kennen und über eigene Schatten zu springen. Mit der Zeit erfahren wir mit neuen, ungeahnten Herausforderungen umzugehen und das neue Leben zu lieben. Es ist also alles plötzlich anders… weniger Schlaf, weniger Kino, weniger Zeit für sich selbst. Dafür umso mehr Liebe, Familie und ein Baby, mit dem man sich gemeinsam (weiter)entwickelt.

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