Spannender Thriller, jedoch mit paranormalen Ausreißern und übermäßig gehypten Parallelen zum aktuellen Corona-Virus.

Buchtitel: Die Augen der Finsternis
Autor: Dean Koontz
Verlag: Ullstein
Seitenanzahl: 368
Erste Veröffentlichung: 1988 (unter dem Titel „Die Augen der Dunkelheit“)
Worum geht es?
Christina „Tina“ Evans lebt im schillernden Las Vegas. Als sie vor etwa einem Jahr ihren Sohn verliert, stürzt sie sich in die Arbeit: Die Verantwortung für eine große, zehn Millionen Dollar teure Varieté-Show namens „Magyck!“ ist ein wahrer Fulltime-Job, verspricht aber gleichzeitig den lang ersehnten Karrieresprung. Genau das richtige, um sich von der Trauer und dem schmerzlichen Verlust ihres Sohnes abzulenken.
Die Bekanntschaft zu dem angesehenen Anwalt Elliot Stryker scheint zusätzlich zur grandiosen Show-Premiere ihr Leben wieder perfekt zu machen. Erfolg, Liebe und Glück – das Schicksal meint es gut mit ihr. Wenn da nicht diese immer wiederkehrende, geheimnisvolle, unsichtbare Präsenz wäre. Einhergehend mit einer eisigen Kälte, die einen Raum in Sekunden auf Minusgrade herunterkühlt, und diesen zwei kleinen, plötzlich erscheinenden Worten „Nicht Tot“. Ist damit ihr verstorbener Sohn gemeint? Spricht er aus dem Jenseits mit ihr oder ist er gar noch am Leben? Tina und Elliot begeben sich auf eine riskante Suche nach Antworten und scheinen etwas aufzudecken, das für die gesamte Menschheit eine große Gefahr darstellt.
Schmerz, Spannung und Mut
Der Tod eines geliebten Menschen kann einen in den Wahnsinn treiben. Er hinterlässt häufig eine unendliche Leere und viele unbeantwortete Fragen, deren Last tagtäglich größer zu werden scheint. Vielen ergeht es wie Tina Evans: Sie verstecken sich hinter dem Job, wollen vor dem Schmerz davonlaufen und die Sehnsucht nach Normalität stillen. Doch Dean Koontz treibt es an dieser Stelle etwas weit. Er nutzt Tinas Schmerz, um ihre Sinne zu vernebeln oder sie empfänglicher für Übersinnliches zu machen – je nachdem, von welcher Seite man es betrachten möchte. Das heißt Leser, die paranormalen Aktivitäten offen gegenüberstehen, werden dieses Buch lieben. Alle anderen werden höchstwahrscheinlich stattdessen hin und wieder irritiert den Kopf schütteln.
Davon abgesehen, lebt das Buch von der Spannung. Wie die Protagonistin möchte man auch als Leser wissen, was genau in der Stadt vor sich geht und wie alle seltsamen Dinge zusammenhängen – unabhängig davon, ob man an Paranormales glaubt oder nicht. An einigen Stellen beschleicht einen sogar selbst ein mulmiges Gefühl. Vergleichbar mit der Situation, wenn man in einer mondlosen Nacht eine dunkle, menschenleere Unterführung hindurchläuft. Hochkonzentriert und mit geschärften Sinnen, die nur darauf warten, das kleinste Geräusch wahrzunehmen. Und immer mit diesem gewissen Gefühl, nicht allein zu sein.
Koontz beschränkt sich in seiner Geschichte auf wenige Charaktere. Tina Evans sticht hervor und lässt die anderen verblassen. Sie wird als toughe Frau dargestellt, die dem klassischen Rollenbild am Herd zu Gunsten einer Karriere entsagt und bei ihren Ermittlungen Kampfgeist und Mut beweist. Sie geht in die Offensive, ohne sich einschüchtern zu lassen und fasziniert damit den Leser auf gewissen Art und Weise.
Achtung Spoiler! Aufgrund des aktuellen Weltgeschehens rund um die Corona-Pandemie ist ein Hype um das Buch bzw. die weiterführende Geschichte entstanden. Dean Koontz hat bereits 1981 die Entstehung eines ähnlichen Virus angenommen und thematisiert damit eine weitreichende Herausforderung für die Menschheit. Jeder Leser sollte selbst entscheiden, wie viele Parallelen er zwischen Corona und Wutan zieht. Zu viel sollte jedoch meiner Meinung nach nicht hineininterpretiert werden. Bücher und Filme, in denen Menschen von einem sich schnell ausbreitenden Virus infiziert werden, sterben und nur ein Gegenmittel oder eine Impfung Hilfe verspricht, gibt es bereits zuhauf.