Ein Blick in eine andere Kultur, auf andere Sitten und Bräuche verdeutlicht, was für eine Freiheit wir in Deutschland haben.

Buchtitel: Zwischen Bagdad und nirgendwo
Autor: Brigitte Blobel
Verlag: cbj Jugendbücher
Seitenanzahl: 314
Worum geht es?
Said lebt bis zu seinem 15. Lebensjahr in der irakischen Stadt Bagdad. Er hat eine unbeschwerte Kindheit, genießt das Leben mit seinen Eltern und seinem besten Freund Achmed. Doch seit einiger Zeit ist der Alltag dort oft nur noch von Angst, Furcht und Gewalt gekennzeichnet. Die Schiiten und Sunniten bekämpfen sich, verüben Attentate und jeden Tag sterben ein Dutzend Menschen. Oft ist es so schlimm, dass sich niemand mehr aus dem Haus traut. Als eines Tages seine Mutter durch einen Selbstmordattentäter stirbt und sein Vater nur wenige Tage später erschossen wird, versteht Said die Welt nicht mehr.
Um ein sichereres Leben führen zu können, wird Said überredet, auf unbestimmte Zeit zu seinem Onkel nach Berlin zu ziehen. Ein fremdes Land, eine neue Schule und eine Sprache, die er noch nicht kann, erwarten ihn. Zum Glück gibt es Lena. Sie hat ebenfalls eine tragische Zeit hinter sich. Während sich ihre Eltern scheiden lassen, soll sie sich für ein Leben mit einem Elternteil entscheiden. Nun lebt sie zusammen mit ihrem Vater in Berlin und geht auf die gleiche Schule wie Said. Doch das Einleben, das Verständigen und das Anschluss finden gestaltet sich bei beiden Protagonisten als sehr schwierig.
Hin- und hergerissen zwischen den Kulturen
„Was ist das für ein Land, in das ich gekommen bin?“ Immer und immer wieder stellt Said sich diese Frage. Alles ist fremd und komplett anders. Nichts ist so, wie er es aus Bagdad kennt. Menschen küssen sich in der Öffentlichkeit, Mütter schieben ihre Kinder im Kinderwagen anstatt sie auf dem Arm zu tragen, Frauen sitzen mit nackten Beinen in Straßencafé oder präsentieren sich mit Unterwäsche und sichtbarem Bauchnabel auf großen Werbeplakaten. Seine Meinung steht fest: Für ihn sind die Menschen in Deutschland respektlos, gierig und nur daran bedacht, sich den ganzen Tag zu amüsieren.
Zwei verschiedene Kulturen treffen knallhart aufeinander. Neben dem schamlosen Verhalten genießt er auch die Sicherheit und die Ordnung in Deutschland. Statt zerbombten Häusern kann er immer noch nicht glauben, wie sauber diese Stadt ist: „Bürgersteige ohne Müll und Abfall, gepflegte Parks, elegante Geschäfte und Busse und Bahnen, die wie frisch gewaschen aussehen.“ Sein ganzes Leben ist ein Wechselbad der Gefühle. Im einen Moment vermisst er seine Heimat, das irakische Essen, die Hitze, und im anderen Moment genießt er die fast schon unheimliche Ruhe – ohne Bomben, Schüsse und Krawall.
Gefühlvoll und mitreißend
Der Leser wird schnell von dem Buch, den Seiten und von jedem einzelnen Wort in den Bann gezogen. Kurze Sätze, gefühlvolle Beschreibungen und sehr realitätsnahe Gegebenheiten zeichnen die 320 Seiten aus. Man begleitet den Protagonisten Said auf seinem schweren Weg, kann dank der Autorin seine Gedanken lesen und fühlt einfach mit ihm mit. Aber auch Lena ist eine starke Sympathieträgerin. Ihre Einsamkeit trifft auf die von Said: Zwei, die sich begegnen, Gefallen aneinander finden und einen beschwerlichen Neuanfang gemeinsam bestreiten.
Die Rezension ist zuerst in thema, dem Jugendmagazin im Jugendnetz Baden-Württemberg, erschienen.