Schweden 2019 // Tag 17: Good bye, maritimes Flair

Nach einer ruhigen und entspannten Nacht wachen wir am Morgen mit einem einzigen Gedanken auf: Heute ist unser letzter Tag in Schweden. Aber Stockholm zeigt sich nochmals von seiner besten Seite. Der Himmel ist blau, nur kleine Wölkchen sind hier und da zu sehen und die Sonne scheint mit voller Frühlingskraft.

Unser erstes Ziel ist das Vasamuseet (Vasa Museum), welches uns bereits vor Reisebeginn von Freunden wärmstens empfohlen wurde (Eintritt: 150 SEK p.P.). Ausgestellt ist das riesige Kriegsschiff Vasa, das König Gustav II. Adolf in den Jahren 1625 bis 1628 bauen ließ. Es sollte mit seinen 50 Meter hohen Masten, seinen 64 Kanonen, seiner 450 Mann großen Besatzung und den 500 Holzfiguren wahre Macht symbolisieren. Allein für die Schnitzereien am Rumpf des Schiffes wurden 1.000 Eichen gefällt.[1] So eindrucksvoll und angsteinflößend das Schiff aussah, es schafft am Tag seiner Jungfernfahrt lediglich rund einen Kilometer Seeweg und versank dann im Meer. [2]

Erst nach 333 Jahren gelang es, das Wrack zu bergen und die 14.000 Einzelteile zusammenzufügen. Die größte Herausforderung war und ist, das Schrumpfen des Eichenholzes zu verhindern[1] und eine bestmögliche Konservierung des Schiffes zu schaffen. Immer noch greift der unter Wasser eingedrungene Schwefel (als umgewandelte Schwefelsäure) das Holz an.[3] Diese jahrelange Rekonstruktion des Schiffes konnten wir wie viele andere Besucher im Museum bestaunen. Drei Etagen geben Einblicke in die farbenfrohe Gestaltung des Schiffs, in seine damalige (fehlerhafte) Bauweise und das Leben an Bord.

Mittlerweile ist es weit nach Mittag und wir überlegen bei einem Eis, was wir als nächstes unternehmen möchten. Da sich der Fährableger um die Ecke befindet, gibt es für uns keine andere und schnellere Möglichkeit, um von der Insel Djurgården zum Stadtviertel Södermalm zu gelangen. Wir erspähen von Weitem noch das Biologiska museet, das alle Tiere Schwedens präpariert ausstellt und damit 1893 weltweit einmalig war[4], und befinden uns kurze Zeit später schon auf dem Wasser Richtung Haltestelle Slussen. Von dort aus überqueren wir die Slussbron und laufen zum Aussichtspunkt Mariaberget.

Der Weg dorthin führt uns durch kleine Straßen und über steile Anstiege, bis wir unseren Augen nicht trauen. Das Gebäude vor uns kommt uns irgendwie bekannt vor. Wir stehen in der Bellmansgatan 1, der Straße, in der der Journalist und Hauptcharakter von Stieg Larssons „Millennium“-Trilogie wohnt. Wie wir erfahren, erfolgt der Zugang zum Haus jedoch anders als im Roman beschrieben. In der Wirklichkeit verfügt das Gebäude über keine Eingangstür zur Bellmansgatan. Die Bewohner verlassen das Haus stattdessen nur über eine kleine Brücke zur Straße Bastugatan.[5]

Nach dem kleinen Abstecher nehmen wir unsere eigentliche Route wieder auf und laufen über den schmalen Fußweg Monteliusvägen zum Mariaberget. Die Aussicht von dort ist überwältigend, sie reicht bis nach Kungsholmen und Gamla Stan.[6] Wir lehnen uns ans Geländer und genießen bei einem Schluck Wasser einige Minuten das Panorama.

Langsam setzen wir unseren Weg fort und gelangen zur Münchenbryggeriet. Der Name lässt es bereits erahnen: Seit April 1857 wurde auf dem Gelände, von einem Großhändler „Münchner Braugesellschaft“ genannt, Bier gebraut. Der guten Anbindung ans Wasser war der Erfolg zu verdanken. Als 1893 ein großer Brand fast alle Gebäude zerstörte, wurden diese mit geschwungenen Fassaden und gotischen Giebeln wieder aufgebaut. Zwischenzeitlich war die Brauerei die größte in Schweden und produzierte 60.000 Bierflaschen pro Stunde. Nach dem Aufkauf und dem Zusammenschluss mehrerer Brauereien wurde die Bierproduktion im Münchenbryggeriet 1971 eingestellt. Im Anschluss wären die Gebäude fast der Abrissbirne zum Opfer gefallen. Heftige Auf- und Widerstände schafften es, das Areal zu erhalten und das Hauptgebäude der Brauerei zu renovieren. Heute lebt die alte Tradition mit der Mikrobrauerei, die eigenes Bio-Craft-Bier produziert, weiter. Darüber hinaus dient die Münchenbryggeriet als Konferenz- und Tagungsort.[7]

Die Abenddämmerung rückt näher, und wo kann der Sonnenuntergang schöner sein als am Wasser. Wir laufen also zur nächsten Bushaltestelle in der Långholmsgatan und fahren einmal quer durch Kungsholmen, Vasastaden und Östermalm zum Strandvägen. Früher ein schäbiges Hafenviertel strahlt die Straße heute Eleganz und Wohlstand aus.[8] Während sich auf der einen Seite die noblen Häuser und Geschäfte aneinanderreihen, liegen auf der anderen Seite zahlreiche Boote am Kai. Die Sonne bringt das Wasser zum Glitzern und die Häuserfassaden zum Leuchten. Ein wundervolles Ambiente!

Wir genießen die letzten Sonnenstrahlen und begeben uns dann zum Abendessen. Für den letzten Abend haben wir etwas Besonderes gesucht – und gefunden: Wir essen in einem Restaurant des britischen Starkochs Jamie Oliver. Nun, wenngleich er nicht persönlich hinter dem Herd steht, freuen wir uns auf einen italienischen Abend. Jamie’s Italian (Humlegaardsgatan 23), wie das Restaurant vollständig heißt, bietet leckere, frische und bezahlbare Speisen mit Bio-Zutaten an. Gesättigt, zufrieden und überaus glücklich machen wir uns mit dem Bus auf den Weg ins Hotel.

Dort angekommen werfen wir geschwind unsere Sachen in unsere Koffer und Reisetaschen. Am nächsten Tag geht es bereits beizeiten wieder nach Deutschland. Wir blicken auf zwei atemberaubende, einzigartige und unvergessliche Wochen zurück. Wir haben viel gelacht, manchmal über das Regenwetter geschimpft, aber die Zeit zu zweit auf engstem Raum in einem Wohnmobil überaus genossen. Es ist für uns eindeutig die schönste Art, ein Land zu erkunden.


Unser Fazit: Das Vasamuseet sollte unbedingt besucht werden. Wer nicht lange am Eingang auf Einlass warten möchte, kann sich bereits vorab online ein Ticket kaufen. Da die Halle zum Schutze des Schiffs abgedunkelt und klimatisiert ist, empfiehlt sich je nach Wetter eine dünne Jacke mitzunehmen.

Wahre Fans von Stieg Larssons „Millenium“ Trilogie können eine ganze Tour zu den Schauplätzen machen und sich auf Spurensuche begeben. Die Touristeninformationen im Kulturhuset hält hierfür sogar eine spezielle Karte bereit.[9]

Wer von dem Restaurant von Jamie Oliver etwas total ausgefallenes und Exquisites erwartet, wird enttäuscht sein. Die Einrichtung erinnert mit den rund 200 Sitzplätzen und den ungepolsterten Stühlen eher an Kantine oder Großrestaurant. Doch berücksichtigt man das Konzept dahinter, ist es genau das, was Jamie Oliver verkörpert: Gutes Bio-Essen zu einem fairen Preis – und das spiegelt sich eben auch in der Einrichtung wider.

Quellenangaben:
[1] Stockholm on tour, POLYGLOTT / GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH, 2019, 1. Auflage, ISBN 978-8464-0328-0, Seite 113
[2] Stockholm, VERLAG KARL BAEDEKER, 2019, 2. Auflage, ISBN 978-3-8297-3421-9, Seite 108
[3] Stockholm, VERLAG KARL BAEDEKER, 2019, 2. Auflage, ISBN 978-3-8297-3421-9, Seite 112
[4] Stockholm on tour, POLYGLOTT / GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH, 2019, 1. Auflage, ISBN 978-8464-0328-0, Seite 116f.
[5] Stockholm, VERLAG KARL BAEDEKER, 2019, 2. Auflage, ISBN 978-3-8297-3421-9, Seite 179
[6] Stockholm on tour, POLYGLOTT / GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH, 2019, 1. Auflage, ISBN 978-8464-0328-0, Seite 126f.
[7] https://munchenbryggeriet.se/en/history/ (letzter Abruf: 04.08.2020)
[8] Stockholm, VERLAG KARL BAEDEKER, 2019, 2. Auflage, ISBN 978-3-8297-3421-9, Seite 58
[9] Stockholm, VERLAG KARL BAEDEKER, 2019, 2. Auflage, ISBN 978-3-8297-3421-9, Seite 178

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