Ein Drilling kommt selten allein

Ähnlich wie mit einem Hund kommt man auch mit einem Kind schnell mit anderen Menschen ins Gespräch. Die einen grüßen nur ganz lieb und schmunzeln mit dem Gedanken an ihre eigenen Kinder leise in sich hinein. Die anderen sehen „Leidensgenossen“ in einem. Kein anderer kann Schlafmangel und Wutausbrüche so gut verstehen wie andere Eltern.

Und so ging es auch mir heute. Auf einem kleinen Wasserspielplatz bin ich mit einer Frau ins Gespräch gekommen, die ihr Leben seit vier Jahren voll und ganz ihren Kindern widmet. Wohl wissend, dass sie keine andere Wahl hatte. Sie ist Mutter von Drillingen. Drei Kinder, die ihre volle Aufmerksamkeit brauchen und ihre Geduld tagtäglich auf die Probe stellen.

Man ist nie allein

Jeder Tag, so sagt sie, sei seit der Geburt der zwei Jungs und des Mädchens eine Herausforderung. Im Alter von sechs Monaten erkrankten sie und die drei Babys an einer Magen-Darm-Infektion – während ihr Ehemann geschäftlich unterwegs war und vor der Haustür Corona wütete. Im 10-Minuten-Takt sei sie zwischen den Säuglingen hin- und hergesprungen. Zwei Arme und Beine reichten nicht, um der Lage Herr zu werden. Ihre damals 18-jährige Tochter versuchte, wo es ging, zu unterstützen. Doch nicht lange und die Kräfte waren aufgebraucht. Sie fühlte sich nach eigener Aussage wie ein nervliches Wrack.

Der Alltag einer sechsköpfigen Familie erfordert viel Planung. Einfach kurz zum Friseur gehen und sich die Haare machen, ist unmöglich. Entweder man macht es selbst oder lässt es, witzelt sie mit einem äußerst sympathischen, schwarzen Humor. Auf meine Frage, ob sie es schaffe, überhaupt noch eigenen Bedürfnissen nachzugehen, erwidert sie ein entschiedenes „Nein!“. Bei drei Kindern, ergänzt sie, ist man eigentlich auch nie alleine unterwegs. Egal ob Spielplatz oder Freibad, es muss immer eine zweite Betreuungsperson, zumeist ihr Ehemann, dabei sein. Sie liebt ihre Kinder, aber sie ist froh, wenn sie 18 Jahre alt sind und für sich selbst sorgen können.

Höchstleistungen – Jeden Tag

Dass Kinder das eigene Leben einmal auf links drehen, habe ich selbst erfahren dürfen. Doch wie muss es sich mit Drillingen anfühlen? Kurz bevor wir diese Unterhaltung hatten, saß ich neben meinem im Sand spielenden Sohn, habe ihn beim Sandeln beobachtet und mich darüber gefreut, dass ich mich heute schon fast „arbeitslos“ fühle. Er spielte ganz ruhig mit seinem Eimer, der Schaufel sowie den Förmchen und summte dabei herzerwärmend vor sich hin.

Im Nachhinein spüre ich eine riesige Erleichterung und einen außerordentlichen Respekt. Ich bin erleichtert, mein Leben mit nur einem, aber einem wundervollen, lebensfrohen Kind bestreiten zu dürfen. Und sage „Chapeau“ gegenüber dieser unglaublichen Frau, die jeden Tag Höchstleistungen vollbringt, um ihren drei Kindern, ihrem Ehemann und ihrem Leben gerecht zu werden.

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