1x Abenteuerreise, bitte.

Immer wieder beschäftigt mich diese eine Frage: Warum entscheidet man sich eigentlich, ein Kind zu kriegen? Auf den ersten Blick ist ein Kind ein niedliches, kleines Wesen. Es hat kleine blaue Augen, süße kleine Hände, lacht über alles und jeden, und lässt das Mutter- und Vaterherz vor Glück Purzelbäume schlagen. Auf den zweiten Blick bedeutet es jedoch, das bisherige Leben komplett über Bord zu werfen. Schlaflose Nächte, Essensspritzer auf Boden und Wänden sowie Sonntage ohne „Couch-Potato“ und „Binge Watching“. Kurzum ein 24/7-Job. Also noch einmal die Frage: „Warum möchte man ein Kind?“

Von unendlicher Liebe erfüllt

Vorweg, jeder der ein Kind hat, möchte es nicht mehr missen und für kein Geld der Welt hergeben. Die Liebe, die man plötzlich von einem auf den anderen Tag empfindet, ist überwältigend. Umschließt diese winzige Babyhand die eigenen Finger, durchströmt einen eine echte Dopamin-Welle.

Nichtsdestotrotz erinnert man sich das ein oder andere Mal sehnsüchtig an die kinderlose Zeit. Als man noch tun und lassen konnte, was man wollte. Jedes Wochenende war ein Abenteuer – mit Freunden ohne genaues Ziel, aber mit jeder Menge Spaß und Zeit.

Was ist, wenn sich bei genauerer Betrachtung daran gar nichts geändert hat? Was ist, wenn auch das wieder einmal nur eine Sache des Blickwinkels ist? Denn eigentlich ist das Leben mit einem Kind doch nichts anderes, oder? Es ist ein Abenteuer – mit einem neu gewonnenen, besten Freund. Man erlebt unglaublich lustige Momente, entdeckt die Welt neu, freut sich über Kleinigkeiten und hat dafür viel Zeit. Denn die Uhr dreht sich mit Kind deutlich langsamer. Manchmal scheint sie gar stillzustehen, denn ein Kind hat noch keinerlei Zeitgefühl. Jede Ameise und jede Blume, jeder Fussel und jeder Stein ist so überaus interessant, dass es in aller Ruhe betrachtet und analysiert werden muss. Und man selbst wird ebenfalls zum Beobachter. Man wird förmlich in den Augenblick hineingesaugt und sieht eigentlich bekannte Dinge plötzlich mit anderen Augen.

Wohin des Weges?

Dabei ist jeder Tag anders und ungewiss. Eben wie auf einer richtigen Abenteuerreise. Oder welcher Reisende plant sein Abenteuer bitte bis ins kleinste Detail? Die grobe Gehrichtung ist bekannt. Mehr jedoch zumeist nicht. Kinder überraschen uns jeden Tag aufs Neue, mit ihrer eigenen Persönlichkeit, mit ihren Gefühlen und mit ihrer Leidenschaft. Jeder Tag bringt also neue Gegebenheiten, auf die wir reagieren müssen und die uns zwingen, unseren Reiseweg anzupassen. Das birgt freudige Überraschungen, aber auch harte Herausforderungen.

Also, zusammengefasst: Man entscheidet sich für ein Kind, um ein neues Abenteuer zu bestreiten, oder anders ausgedrückt „eine mit einem außergewöhnlichen, erregenden Geschehen verbundene gefahrvolle Situation, die jemand zu bestehen hat.“ (laut Duden-Definition). Nun, was wäre das Leben ohne Gefahren und zu bestehende Prüfungen?! Auf geht’s, dem vielleicht größten Abenteuer unseres Lebens entgegen!

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