Während unseres gesamten Lebens treffen wir unzählige Entscheidungen. Manche direkt aus dem Bauch heraus, manche erst nach reiflicher Überlegung. Und nicht selten fragen wir uns, ob wir uns richtig entschieden haben. Je weitreichender eine Entscheidung ist, umso schwerer fällt sie uns. Sie raubt uns wertvollen Schlaf und verursacht ein mulmiges Gefühl. Angst vor dem Unbekannten, Angst vor dem großen Abenteuer, Angst vor den neuen Herausforderungen.
Bei einem Hauskauf verhält es sich ähnlich. Das Traumhaus gibt es bekanntlich leider nicht für „Eins-Fuffzig“ im Tanta Emma-Laden um die Ecke. Mal abgesehen von dem nötigen Kleingeld erfordert die Haussuche starke Nerven, Ausdauer und tatsächlich eine gehörige Portion Glück. Vor allem um das zu finden, was man sucht. Gut für denjenigen, der sogar schon weiß, WAS er sucht.
Komfortzone gegen Abenteuer
Im ersten Moment fühlt es sich waghalsig an: Tausche Komfortzone „Mietwohnung“ gegen Abenteuer „Einfamilienhaus“. Ein tropfender Wasserhahn, ein Wasserrohrbruch oder eine defekte Schließanlage – bisher genügte ein Anruf und der Schaden wurde behoben (naja, zumindest von pflichtbewussten und hilfsbereiten Vermietern ;-)). Mit dem Hauskauf dreht sich der Spieß um. Jeder noch so kleine oder große Defekt liegt in der eigenen Verantwortung – und macht den Geldbeutel direkt um Einiges leichter.
Doch rechtfertigt das bereits die Angst vor solch einer großen Entscheidung? Rechtfertigt es sogar, solche Entscheidungen generell zu meiden? Angenommen, wir würden vor allem, was uns Unbehagen und Angst macht, davonlaufen? Würde es uns damit wirklich besser gehen? Eigentlich ist das Unbekannte – wie der Name schon sagt – nur deshalb so angsteinflößend, weil wir es nicht kennen. Wir haben schließlich keine Glaskugel, die uns unsere Entscheidung abnimmt und uns in Sicherheit wiegt. Aber lässt sich das Unbekannte nicht doch irgendwie greifbar machen? Was bräuchte es, um dabei sogar Freude und Spaß zu empfinden?
Weg mit allen irrationalen Argumenten
Genau das fragte ich mich bei unserer Entscheidung, ein (bereits bestehendes) Haus zu kaufen. Für mich war ein Haus nur ein fürchterlicher „Klotz am Bein“. Meine Meinung war sehr festgefahren: Jede freie Minute wird in die Renovierung gesteckt, jeder Cent in Baustoffe, Tapeten & Co. Urlaub und gemeinsame (Frei)Zeit bleiben auf der Strecke. Wir arbeiten nur noch für das Haus und nicht mehr für ein spontanes, freies Leben. Und gehören damit unweigerlich zum Spießbürgertum. Die Angst überwog. Bis zu dem Moment, als wir uns die Zeit nahmen, alle Bedenken in Ruhe und ausgiebig zu besprechen. Dabei stellten wir fest, dass es sich bei Vielem um irrationale Argumente handelt. Mit stichhaltig recherchierten Fakten sah es plötzlich ganz anders aus. Und tatsächlich, nach einigen Tagen war es soweit: Die Angst wich dem Mut und die Vorfreude wuchs.
Heute sind wir „Häuslebesitzer“. Und es fühlt sich tatsächlich gut an. Wir schaffen uns eine Zukunft, die wir selbst nach Lust und Laune gestalten können. Und das im wahrsten Sinne des Wortes: Jede Fliese, jede Wandfarbe und jedes Möbelstück entspringt den eigenen Vorstellungen und Wünschen. Nichts wird vorgegeben – die Kreativität ist keinen bürokratischen oder mietbedingten Vorschriften unterlegen. Und plötzlich umgibt einen Stolz. Stolz, so etwas aus eigener Kraft zu schaffen – egal, wie viele Herausforderungen hinter den Wänden lauern.
Mit dem Haus haben wir eine Entscheidung getroffen, die das Leben nicht nur maßgeblich verändert, sondern in ganz neue Bahnen lenkt. „Aus alt mach schön“ heißt unser neues Projekt – mit Sicherheit nicht nur für die nächsten Monate bis zum Einzug, sondern weit darüber hinaus. Das könnte einem jetzt Angst machen. Oder einfach die Chance eröffnen, sich auf den nächsten Lebensabschnitt zu freuen.