Amerika 2016 // Tag 6: Flora und Fauna in den Everglades

Unser heutiges Tagesziel ist der Everglades National Park. Nach einem – wie üblich – kleinen Frühstück fahren wir den Overseas Highway von Key West zurück Richtung Miami. Südlich von Homestead, in Florida City, verlassen wir die Route 1 und biegen links ab auf den FL 9336. Nach rund drei Stunden Fahrtzeit erreichen wir schließlich das Ernest F. Coe Visitor Center (40001 State Hwy 9336, Homestead, FL 33034, Vereinigte Staaten). Es ist eins von insgesamt vier Besucherzentren, die in den unterschiedlichen Biotopen des Nationalparks angesiedelt sind.[1] Dort erhält man erste Informationen zum 1947 gegründeten und einzigen subtropischen Schutzgebiet des amerikanischen Festlands.[1] Wir nehmen uns eine der Broschüren mit, die uns Orientierung über die Wanderwege (Trails) und Erkundungsmöglichkeiten bietet. Vorweg: Es ist erstaunlich, wie vielfältig und artenreich die dortige Tier- sowie Pflanzenwelt ist.

Einzigartige Natur

Der Everglades Nationalpark ist im Vergleich zu anderen Nationalparks ein bisschen anders. Er besitzt keinen klassischen Aussichtspunkt, von dem man beispielsweise auf einen Grand Canyon hinabblickt und von der sich darbietenden Aussicht überwältigt wird. Genau genommen ist der Nationalpark nur ein 80 Kilometer breiter Fluss, der wenige Zentimeter tief ist und nur 30 Meter pro Tag fließt.[2] Das Besondere liegt jedoch in der Flora, Fauna sowie Tierwelt und deren jeweilige Bedeutung für das gesamte Ökosystem.[2]

Den ersten Stopp legen wir am Royal Palm Visitor Center ein. Dort gibt es zwei Trails: Zum einen den 800 Meter langen Anhinga Trail, der auf Holzplanken durch Riedgras und an Alligatoren, Schildkröten und Kranichen entlangführt.

Zum anderen den Gumbo Limbo Trail, der nach den gleichnamigen, tropischen Gumbolimbo-Bäumen benannt ist, die neben Lianen, Orchideen und Farnen den Weg säumen.[3] 15 Kilometer weiter besuchen wir den Pa-hay-okee Overlook (sprich: „pa-je-o-qui“, was so viel bedeutet wie „Fluss aus Gras“).[2] Je nach Saison sieht die Umgebung mal trockener und mal grüner aus. Während wir über die Holzplanken laufen, die auf halber Strecke des Trails zu einem Aussichtsturm führen, bietet sich uns ein wunderbares Bild über die Feuchtsavanne. Die Plattform fühlt sich inmitten der Baumkronen wie ein Baumhaus an.

Aufgrund unseres Hungers beschließen wir dem State Hwy 9336 erst einmal bis zu seinem Ende in Flamingo zu folgen. Wir setzen uns an einen der Picknicktische, beobachten die verschiedenen Vogelarten und genießen den Blick auf die vor uns liegende Florida Bay. Wer übernachten möchte, kann sich auf dem Flamingo Campground einmieten.

Zwischen Mangroven- und Mahagoni-Bäumen

Wir fahren die Strecke, die wir gekommen sind, wieder zurück und biegen nach etwa 12 Kilometern rechts zum West Lake Trail ab – denn ein bisschen Zeit zum Erkunden haben wir noch. Der Wanderweg ist nur knapp einen Kilometer lang, schlängelt sich aber durch den beeindruckenden Mangrovenwald am Ufer des gleichnamigen Brackwassersees.[4] Die Holzplanken führen sogar aus dem Wald aufs Wasser hinaus, kleine Holzbänke laden zum Verweilen ein.

Bevor wir zum Hotel fahren und den Nationalpark für heute verlassen, machen wir einen letzten Abstecher zum Mahogany Hammock Trail. Über einen Holzsteg laufen wir über den Sawgrass Fluss und gelangen geradewegs auf die Bauminsel mit den typischen, westindischen Mahagoni-Bäumen, die teils Rekordhöhen erreicht haben.[5] Je weiter man dem insgesamt 700 Meter langen Pfad folgt, umso dichter kommt man den Baumkronen.

Es wird langsam dunkel und ein bisschen Nieselregen setzt ein. Der perfekte Zeitpunkt die Fahrt zum Hotel Fairway Inn in Florida City (100 SE 1st Avenue) anzutreten.


Unser Fazit: Florida überrascht uns immer wieder, es hat so viele Gegensätze zu bieten. Abseits der lauten und quirligen Städte gibt es diese stillen und naturnahen Fleckchen. Das Everglades Nationalpark zeichnet sich besonders durch seine Sümpfe und Mangroven aus, denen man auf den verschiedenen Trails sehr nah kommt. Die Holzwege führen teilweise über das Wasser und mitten durch die Bäume hindurch – eine beeindruckende Erfahrung. Dabei kann man auf den Bänken eine Pause einlegen, den Vögeln lauschen oder die Alligatoren beobachten.

Quellenangaben:
[1] Florida, KARL BAEDEKER GmbH, Ostfildern 2018, 13. Auflage, ISBN 978-3-8297-4640-3, Seite 88f.
[2] Florida, VISTA POINT Verlag GmbH, Potsdam 2017, 11. Auflage, ISBN 978-3-95733-637-8, Seite 126
[3] Florida, VISTA POINT Verlag GmbH, Potsdam 2017, 11. Auflage, ISBN 978-3-95733-637-8, Seite 124f.
[4] Florida, KARL BAEDEKER GmbH, Ostfildern 2018, 13. Auflage, ISBN 978-3-8297-4640-3, Seite 89
[5] Florida, VISTA POINT Verlag GmbH, Potsdam 2017, 11. Auflage, ISBN 978-3-95733-637-8, Seite 125

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