Amerika 2014 // Tag 16: Zurück in die Vergangenheit

Ein noch vor uns liegendes Ziel steuern wir ab heute mit großer Vorfreude an: Las Vegas. Allerdings ist uns die Strecke L.A.-Las Vegas für einen Tag etwas zu lang und im Hinblick auf die Wärme zu anstrengend. Daher legen wir in Bullhead City einen Zwischenstopp inklusive Übernachtung ein.

Der Weg nach Bullhead City folgt, wie fast immer in Amerika, einer meilenweit stur geradeaus verlaufenden Straße. Das fühlt sich in der Tat so an, als hätte jemand das Lineal angelegt und jeglichen Hubbel, Baum oder Felsen dafür aus dem Weg geräumt. Bei so viel „Geradlinigkeit“ bleibt viel Zeit aus dem Fenster zu schauen und die vorbeiziehende Natur genau zu betrachten.

Unseren Weg säumen links und rechts die bekannten Joshua Trees. Sie wurden nach dem Propheten Joshua benannt, da sie ihm mit „hoch erhobenen Armen“ offenbar den Weg ins gelobte Land wiesen.[1] Auch Palm Springs bzw. die Windparkanlage im Palm Desert rauscht an uns vorbei. Bis wir schließlich auf der berühmt-berüchtigten Route 66 sind, die uns ab Amboy sichtbar auf der Straße den Weg weist und fast bis nach Bullhead City führt.

Da wir früher als geplant im Motel „Lodge on the River“ (1717 Highway 95, 86442 Bullhead City) ankommen, jedoch noch nicht einchecken können, stärken wir uns erst einmal im Burgerladen um die Ecke. Gesättigt beschließen wir einen kleinen Abstecher nach Oatman zu unternehmen, ein altes Städtchen aus der Goldgräberzeit. Allerdings scheint die Anfahrt zunächst ein schwieriges Unterfangen zu sein, denn unser Navi führt uns über die sogenannte Historic Route 66. Was wir im ersten Moment mit „cool“ kommentieren, stellt sich kurze Zeit später als Fiasko heraus. Nach nicht einmal 100 gefahrenen Metern drehen wir um, da die Route 66 (zumindest in diesem Abschnitt) mit einem normalen PKW nicht befahrbar ist. Sie stellt sich als reine Schotterpiste heraus und ist als solche auf dem Navi nicht auszumachen. Da wir unseren Plan, nach Oatman zu fahren, aber nicht aufgeben möchten, nehmen wir kurzerhand eine etwas längere, aber asphaltierte Alternativroute über Kingman.

Kaum haben wir den „Ortseingang“ von Oatman passiert, begrüßen uns die „burros“ (wilde Esel) und stecken neugierig ihren Kopf ins geöffnete Autofenster. Das Städtchen Oatman geht auf das Jahr 1915 zurück, als der Goldrausch die Menschen anlockte und die Umgebung um Oatman bis zu 20.000 Bewohner zählte. Aufgrund seiner guten Lage an der Route 66 und seiner Nähe zum Casino-Standort Laughlin geriet es nach dem Schließen der Minen nicht komplett in Vergessenheit.[2] Aber gefühlt blieb hier trotzdem die Zeit stehen. Die Hauptstraße ist von alten Holzhäusern gesäumt, die inmitten der rauen, kargen und felsigen Landschaft dem Wilden Westen entsprungen scheinen. Den Weg von Ortseingang zu -ausgang, den wir zu Fuß ablaufen, beträgt kaum 200 Meter.


Unser Fazit: Hat ein Esel einmal seinen Kopf durchs Fenster gesteckt, wird es schwer ihn und seine grauen Haare wieder los zu werden. Zumal sie alle sehr neugierig und zutraulich sind.

Das Städtchen Oatman mit dem verbundenen Sprung in die Vergangenheit ist irgendwie faszinierend. Im Gegensatz zu vielen anderen Goldgräberstätten ist Oatman heute keine Geisterstadt, was teilweise auch dem Tourismus zu verdanken ist. Die urigen Kneipen und originellen Souvenirläden spülen genau wie das historische Hotel Geld in die Stadtkasse.

Quellenangaben:
[1] USA Südwesten, Reise Know-How-Verlag, 2014, ISBN 978-3-89662-178-8, Seite 28
[2] https://www.usa-reisetraum.de/arizona/oatman (letzter Abruf: 11.08.2019)

You may also like...