Amerika 2014 // Tag 19: Viele Wege führen nach Rom – oder auch nach Big Water

Zu unserem Bedauern verlassen wir heute Las Vegas. Obwohl wir uns auf ein wenig Ruhe freuen, versprüht diese Casinostadt eine eigenartige Anziehungskraft. Als wir am frühen Morgen losfahren, ist von dem wilden Treiben der Nacht kaum noch etwas zu spüren. Es scheint, als würde die gesamte Stadt noch im Tiefschlaf stecken und nur auf die Abenddämmerung warten. Es bleibt nur wenig Zeit der Ruhe, bevor die vielen Lichter, Autos und Menschen Las Vegas erneut in ein Vergnügungszentrum verwandeln. Wir hätten gerne noch mehr von den überdimensionierten Hotels, von denen jedes seine ganz eigene Geschichte schreibt, und den verrückten Freizeitangeboten gesehen. Wer weiß, man sieht sich ja, sprichwörtlich gesagt, immer zwei Mal im Leben!

Unser heutiges Ziel heißt „Big Water“. Allerdings gelangen wir nicht auf direktem Wege dorthin – das wäre viel zu einfach und fern jeglicher Abenteuer. 😉 Nein, auf der Suche nach einer Tankstelle fahren wir (versehentlich) eine Stunde in die falsche Richtung. Theoretisch wären wir über diese Strecke irgendwann ebenfalls in Big Water angekommen, allerdings ohne die im Vorfeld ausgewählten, landschaftlichen Höhepunkte. Wir beschließen daher trotz der beachtlichen Strecke umzukehren – aber nicht ohne zu tanken und mit einer traumhaften Aussicht entschädigt zu werden: Über eine lange, schmale Zufahrt gelangen wir zu einem blau-glitzernden See, an dessen Ufer niedliche, meckernde Ziegen grasen und die einzige Tanksäule weit und breit steht.

Nach der einstündigen Retour folgen wir unserer eigentlichen Route zum Zion National Park (Eintritt: $25 pro Auto und $12 pro Person). Wie sich zeigt, eine gute Entscheidung, denn die Landschaft ist fantastisch. Die gigantischen Felsen und die rote Straße leuchten uns in der Sonne an und weisen uns regelrecht den Weg. Immer wieder halten wir in den Parkbuchten am Straßenrand an, um das Panorama zu genießen und die über Jahrmillionen durch Erosionskräfte modellierten Felsformationen zu bestaunen. Kurz bevor wir den Nationalpark Richtung Mount Carmel Junction verlassen, passieren wir die Checkerboard Mesa.[1] Der helle Sandstein präsentiert sich als imposantes Kunstwerk der Natur: Wind und Wetter haben tiefe Erosionslinien in die Felswand eingraviert, sodass sie inzwischen wie ein riesiges Schachbrett aussieht.

Kaum haben wir den Zion National Park hinter uns gelassen, machen sich die zwei Stunden Verzug durch unseren unfreiwilligen Umweg bemerkbar. Die Dämmerung setzt langsam ein und wir sollten längst in unserem Motel in Big Water angekommen sein (Rodeway Inn & Suites Big Water, Antelope Canyon, 605 Independence, Big Water, UT 84741). Die Strecke zieht sich, sodass wir schon Rehe am Straßenrand sehen und uns mit dem Fahren abwechseln.

Pünktlich zum Sonnenuntergang erreichen wir schließlich unser Ziel. Es ist traumhaft, wie die Sonne langsam hinter den Felsen verschwindet und sich das Abendrot über die Weite legt. Leider besteht Big Water nur aus dem Motel – rundherum herrscht absolute Einöde. Ein toller Anblick, der uns allerdings nicht gegen unseren knurrenden Magen hilft. Glücklicherweise gibt es drei bis vier Meilen entfernt eine Tankstelle, die auch das ein oder andere Sandwich verkauft. Wirklich gut schmecken tut es nicht, aber zumindest stillt es den Hunger.


Unser Fazit: Las Vegas ist, wie bereits beschrieben, eine faszinierende Stadt. Tag und Nacht sind sehr konträr. So lebendig und aufregend sie sich bei Dunkelheit präsentiert, so verschlafen und trist wirkt sie bei Helligkeit.

Im Zion National Park gibt es inmitten der Felsen über diverse Trails oder mit Hilfe der im Parkeintritt enthaltenen Shuttle-Busse viel zu entdecken. Im Internet unter https://www.nps.gov/zion/ sind alle Informationen für Besucher, Wanderer und Camping-Urlauber übersichtlich zusammengestellt.

Quellenangaben:
[1] USA Südwesten, Reise Know-How-Verlag, 2014, ISBN 978-3-89662-178-8, Seite 345

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