Von der Natur kann man einfach im Südwesten Amerikas nicht genug kriegen. Diese Erfahrung machen wir erneut beim Antelope Canyon südöstlich der Stadt Page. Er liegt auf dem Stammesland der Navajo Indianer und teilt sich in den Lower sowie den Upper Antelope Canyon. Bei beiden handelt es sich nicht um klassische Gebirgszüge, die man bereits von Weitem sieht, sondern es sind vielmehr Schluchten. Über kleine Treppen steigt man hinab und läuft sozusagen zwischen den Felswänden hindurch. Das Besondere: Als Besucher ahnt man nicht annähernd, welch wunderschönes Farbenspiel einen in der Tiefe erwartet – vor allem bei der kargen, landschaftlich eintönigen Umgebung.
Bevor es soweit ist, gilt es entsprechende Tickets zu kaufen: $6 für den Zugang ins Navajo-Gebiet (Permit) und $20 pro Person für die 1-stündige Führung durch den Lower Antelope Canyon oder $25-40 für den 1-stündigen Aufenthalt im Upper Antelope Canyon, inkl. Transport vom dortigen Parkplatz.[1] Der Zutritt ist nur mit einem ausgebildeten Guide erlaubt. Zum einen da der Canyon für die Indianer ein heiliger Ort ist und zum anderen aus Sicherheitsgründen. Denn ganz ungefährlich ist der Canyon nicht. Beispielsweise können sich durch ein in einigen Kilometern Entfernung zusammenbrauendes Gewitter starke Regenfälle entwickeln, die die gesamte Schlucht in kurzer Zeit mit Wasser fluten („Flash Flooding Area“). Dieser Umstand kann sehr tückisch sein, sodass es auf diese Weise leider in den vergangenen Jahren den ein oder anderen tödlichen Unglücksfall gab.
Nach einer ausführlichen Sicherheitsunterweisung geht es los. Der Weg zum Canyon ist absolut unscheinbar. Erst kurz vor dem Abstieg sehen wir die in die Schlucht hinunter führenden Metalltreppen. Jeder Tritt auf eine der Stufen fühlt sich wacklig an. Vorsichtig setzen wir einen Fuß vor den anderen.
Aber kaum unten angekommen, ist es einfach nur überwältigend! Ein Farbenspiel, das seinesgleichen sucht und uns nicht mehr aus dem Staunen herauskommen lässt. Es ist faszinierend, wie die nach unten reflektierenden Lichtsäulen alles um einen herum in zarte Rosa-, Lila- und Orangetöne tauchen; wie die steinharten Felswände zu weicher Eiscreme werden; und wie die Felsvorsprünge steingewordenen Kunstwerken gleichen.
Man kann den Fotoapparat gar nicht aus der Hand legen. Jeden Schatten, jedes Licht- und Farbenspiel möchte man festhalten und mit nach Hause nehmen. Nach etwas mehr als einer Stunde steigen wir durch die Felsdecke wieder an die Tagesoberfläche und sind immer noch von den einzigartigen Eindrücken benommen.
Wir machen eine kurze Pause am Auto und versuchen dabei, das Gesehene zu verarbeiten. Denn das nächste Highlight wartet schon: der Grand Canyon bzw. der Grand Canyon National Park (Eintritt: $25 pro Auto und $12 pro Person). Das Felsmassiv und die beidseitigen Schluchten gehen auf das Jahr 1540 zurück, als sie das erste Mal im Rahmen einer spanischen Expedition Erwähnung finden.[2] Über den Südrand, den South Rim, kommend, stoßen wir direkt auf das Visitor Center. Wir rüsten uns mit zahlreichen Informationen und überlegen uns während der Mittagspause, was wir wann und wie erkunden wollen.
Um eine Tour in die Schlucht und zum Colorado River zu unternehmen, reicht die Zeit nicht. Und laut unseres Reiseführers können Ab- und Aufstieg bei den hohen Temperaturen auch schon mal zur wahren Tortur werden.[3] Stattdessen begeben wir uns zum großen Besucherparkplatz und nutzen von dort aus die Shuttle Busse, die die einzelnen Aussichtspunkte anfahren. Wir steigen zwischendurch aus und wollen bis zum letzten Stopp namens „Hermits Rest“ laufen. Der Weg führt an den Felsklippen vorbei und besticht durch eine fantastische Aussicht. Auch wenn die brütende Hitze eine wahre Herausforderung darstellt, genießen wir immer wieder die einsame Stille unter den schattenspendenden Bäumen. Die Natur um uns herum ist absolut beeindruckend!
Schweren Herzens kehren wir in den späten Nachmittagsstunden dem Grand Canyon den Rücken und begeben uns nach Flagstaff. Es liegt auf halber Strecke zu unserem letzten Ziel „Phoenix“ und stellt somit einen geeigneten Ort zum Übernachten dar (Quality Inn Flagstaff East, 2500 East Lucky Lane, Flagstaff, AZ 86004).
Unser Fazit: Wer im Süden des Bundesstaats Utah ist, sollte sich den Antelope Canyon nach Möglichkeit nicht entgehen lassen. Wir haben uns für den Schluchtabschnitt Lower Antelope Canyon entschieden, weil er sehr einfach zu erreichen ist und das Kosten-Nutzen-Verhältnis gerechtfertigt erschien. Die Wartezeiten sind nicht lang und die einstündige Führung ist ausreichend. Wer zeitlich flexibel ist, sollte das schöne Mittags- oder Nachmittagslicht nutzen. Aber selbst wenn das nicht möglich ist – jedes Bild wird einzigartig. Die Guides geben außerdem Tipps zu den perfekten Kameraeinstellungen und -positionen.
So schön der Antelope Canyon ist, Menschen mit starker Platzangst ist von dessen Besuch eher abzuraten. Die Schlucht wird stellenweise so eng, dass maximal ein Fuß auf den Boden passt.
Wie überall im Westen der USA ist die Hitze in den Frühlings- und Sommermonaten teilweise unerträglich. Auch im Grand Canyon gilt es, Sonnenschutz und Wasser zum ständigen Begleiter zu machen. Nur dann kann man das sich vor einem erstreckende Panorama auch in Ruhe genießen und auf sich wirken lassen. Denn das sollte man unbedingt tun. 🙂
Quellenangaben:
[1] USA Südwesten, Reise Know-How-Verlag, 2014, ISBN 978-3-89662-178-8, Seite 399
[2] USA Südwesten, Reise Know-How-Verlag, 2014, ISBN 978-3-89662-178-8, Seite 419
[3] USA Südwesten, Reise Know-How-Verlag, 2014, ISBN 978-3-89662-178-8, Seite 420








