Am zweiten Tag in New York erkunden wir Midtown und starten damit am Herald Square bei Macy’s[1], einem der größten Kaufhäuser der Welt. Uns erwarten rekordverdächtige 200.000 m² Verkaufsfläche auf zehn Etagen. Die außergewöhnlich dekorierten Schaufenster und das riesige Warenangebot laden auch uns zu einem kleinen Bummel ein. Aber Achtung: Um wieder durch die Tür hinauszugehen, zu der man hineingegangen ist, ist ein guter Orientierungssinn erforderlich. 😉
Von Macy’s ist es nicht weit zum Empire State Building[2], dessen Bau auf einen Rivalenkampf mit dem Chrysler Gebäude zurückgeht. Das Empire sollte im Vergleich zu seinem Konkurrenten höher sein und in kürzerer Bauzeit fertiggestellt werden. Und in der Tat war es nur neun Monate später soweit. Das über 381 Meter hohe Empire State Building mit 60.000 Tonnen verbautem Stahl und zehn Millionen Ziegelsteinen wurde 1931 eröffnet. Allerdings war das Gebäude zunächst ein echter Flop: Aufgrund der wirtschaftlichen Depression in den 1930er Jahren war die Geschäftsfläche von 610.000 m² zunächst unvermietbar und brachte dem Gebäude den Namen „Empty State Building“ ein. Bis zu dem Zeitpunkt, als das Gebäude für touristische Zwecke entdeckt wurde. Seither strömen rund vier Millionen Besucher pro Jahr auf das Aussichtsdeck und lassen ihren Blick über die Stadt schweifen.


New York ist eine Stadt der Superlative. Davon wollen wir uns selbst überzeugen. Unser Weg führt uns somit quer durch Midtown zu einer Vielzahl einmaliger Sightseeing-Highlights:
- New York Public Library[3]: Die New Yorker Zentralbibliothek wurde 1895 gegründet und ist das größte öffentliche Bibliothekssystem des Landes. Mit mehr als 17 Millionen Besuchern und weiteren Millionen Online-Usern pro Jahr verfügt sie über mehr als 55 Millionen Artikel – von Büchern, E-Books und DVDs bis hin zu renommierten Forschungssammlungen, die von Wissenschaftlern aus der ganzen Welt genutzt werden.
- Literary Walk of Fame: Auf dem Weg zur Grand Central Station entdecken wir in den Bürgersteig eingelassene Plaketten, die scheinbar Ausschnitte aus den Werken berühmter Schriftsteller zeigen.
- MetLife Building[4]: Der 250 Meter hohe Wolkenkratzer erhielt erst Anfang des Jahres 1993 seinen heutigen Namen, nachdem zwölf Jahre zuvor die Metropolitan Life Insurance Company das Gebäude gekauft hatte und es bis dahin unter dem Namen „Pan Am Building“ bekannt war. Mittlerweile beherbergt es zahlreiche Restaurants und Geschäfte, einen Wellness-Club, Geldautomaten sowie einen direkten Zugang zum gegenüberliegenden Grand Central Terminal.
- Grand Central Terminal[5]: Das Grand Central Terminal eröffnete am 2. Februar 1913 und ist mit Geschäften, Bankautomaten und Restaurants heutzutage der größte Bahnhof der Welt. Von außen vermittelt er jedoch eher ein gegensätzliches Bild: Zwischen den riesigen Hochhäusern wirkt der Bahnhof auf uns total klein und zierlich. Erst beim Betreten des großzügigen Innenraums werden wir vom Anblick der imposanten kathedralartigen Kuppel überwältigt. Im Untergrund des Bahnhofs soll sich ein geheimes Gleis (Gleis 61) befinden, welches angeblich direkt zum Waldorf-Astoria Hotel führt und von Präsident Roosevelt als Schutz vor aufdringlichen Journalisten genutzt wurde.



- Hotel Waldorf-Astoria[6]: Das Hotel ist eine der berühmten Luxusabsteigen New Yorks und Schauplatz zahlreicher Hollywood-Filme. Wie zum Beispiel im Film „Der Prinz aus Zamunda“, den ich mir in meiner Jugend unzählige Male angeschaut habe. Umso surrealer, aber auch beeindruckender ist die Tatsache, in diesem Moment selbst vor der „Filmkulisse“ zu stehen. Das heutige Waldorf-Astoria wurde 1931 als größter Hotelbau der Welt errichtet und stand Ende des 19. Jahrhunderts zunächst an der Stelle, an der sich heute das Empire State Building befindet. Genau genommen waren es damals zwei Hotels, die von zwei Cousins der Astor-Dynastie aus Walldorf bei Baden zunächst eher im Wettstreit um Prestige nebeneinander gebaut und irgendwann im Hinblick auf Erfolg durch einen Korridor miteinander verbunden wurden.
- Diamond District / Diamond Row[7]: Auf den ersten Blick eine Gegend wie jede andere, macht der Diamond District aber seinem Namen alle Ehre: 90% aller Diamanten Amerikas kommen über New York und fast immer über diesen Bezirk ins Land (West 47th Street zwischen der Fifth Avenue und Sixth Avenue). Mehr als 2.600 unabhängige Unternehmen sind dort ansässig und damit Teil der größten Diamantenbörse des Landes. Auf nur wenigen Metern laufen wir von einem Schmuckgeschäft zum nächsten. Überall funkeln und glitzern die Schaufenster.
- Radio Music City Hall[8]: Dieses Gebäude mit dem neonfarbenen Schriftzug versetzt uns gefühlt in die 30er Jahre zurück, da es so gar nicht zu den modernen Bauten in der näheren Umgebung passt. Noch heute finden dort Musicals und Konzerte statt.
- St. Patrick’s Cathedral: Die Kathedrale ist die größte römisch-katholische Kirche der Vereinigten Staaten und erinnert von der Bauweise her z. B. an unseren Kölner Dom. Allerdings wirkt sie, wie fast alle kleineren Gebäude, neben den Wolkenkratzern ein wenig deplatziert.
- Club 21[9]: Ohne es in diesem Moment zu wissen, stehen wir bei unserem Spaziergang vor einer der berühmtesten „Speakeasies“. Eine Speakeasy ist eine Flüsterkneipe, in der während der Prohibition illegal gebrannter Alkohol ausgeschenkt wurde (von 1919 bis 1932 war der Verkauf und Ausschank von Alkohol in den USA gesetzlich verboten). Entsprechend hatten diese Kneipen häufig kein offizielles Eingangsschild und vergaben eine Zugangsberechtigung nur, wer sich mit dem Geheimcode ausweisen konnte. Konsequenz: Das organisierte Verbrechen konnte sich erfolgreich etablieren und Bandenkriege entstanden. Heute ist der Club 21 ein Restaurant, das auch gerne von Promis besucht wird.



- Museum of Modern Art (MoMa)[10]: Das MoMa ist das erste Museum, das sich ganz der modernen Kunst verschrieben hat. Auf mittlerweile drei Gebäuden, die über einen Skulpturengarten miteinander verbunden sind, finden sich Künstler wie Picasso, Gauguin, van Gogh, Matisse und Chagall (Eintritt: $25 pro Person).
- Fifth Avenue: Hier finden sich alle Geschäfte, die Rang und Namen haben – Von Prada und Gucci über Tiffany und Armani bis hin zu Dolce & Gabbana. Weniger aus Neid, sondern vielmehr aus Neugier, was „man(n)“ und „frau“ mit großem Geldbeutel heute modetechnisch trägt, ist die Fifth Avenue ein kleines Sightseeing-Muss.
- Trump Tower & Trump Tower Public Garden[11][12]: Wenige Meter weiter stehen wir vor dem Trump Tower, der sich in die Kategorie „Fifth Avenue“ wunderbar einreiht. Der 202 Meter hohe Glaskasten von Immobilienmogul Donald Trump, Enkel des deutschen Einwanderers Friedrich Drumpf, war um die 2000er Jahre kurzzeitig das höchste Wohnhaus der Welt. Laut Trump verfügt das Gebäude über 68 Stockwerke. In den Immobilienunterlagen sind es jedoch nur 58 angegeben, da einige Stockwerke bei der Nummerierung weggelassen oder zusammengefasst wurden. Das Atrium, welches sich über die ersten vier Etagen erstreckt, kann kostenfrei besucht werden. Und ein kleiner Blick hinein lohnt sich: rosafarbener, italienischer Marmor, ein mehr als 18 Meter in die Tiefe stürzender Wasserfall und eine goldverzierte Rolltreppe erwarten den Besucher. Letztere bringt uns nach oben zum Public Garden, von dessen Existenz wir zufällig gehört haben. Die Aussicht ist nicht atemberaubend, aber dafür das Gefühl, inmitten der Hochhäuser zu sitzen.


Auf dem Weg in den Central Park kommen wir am Columbus Circle vorbei, einem großen Kreisverkehr, in dessen Zentrum ein Momentum von Christopher Kolumbus steht. In unmittelbarer Nähe dazu haben wir bereits im Vorfeld einen Microsoft Store ausfindig gemacht, da wir mit unserem Job auch eine gewisse (technologische) Leidenschaft verbinden. Das neue Microsoft-Tablet „Surface 3“ steht kurz davor, auf den deutschen Markt zu kommen. Ist Amerika uns vielleicht einen Schritt voraus und das neue Gerät kann hier bereits bestaunt und getestet werden? Unsere Hoffnung wird leider schnell zerschlagen. Der Microsoft Store in New York ist nicht nur wegen seiner Größe und Aufmachung sehr ernüchternd, sondern auch wegen des Angebots – denn von einem „Surface 3“ ist weit und breit nichts zu sehen.
Etwas enttäuscht wollen wir unseren Füßen nun etwas Ruhe gönnen. Wo geht das besser als in der ca. 350 Hektar großen, grünen Lunge New Yorks, dem Central Park. Um im dicht besiedelten, nahezu grünflächenfreien Manhattan ein Erholungsgebiet zu schaffen, wurde im Jahr 1858 mit dem Bau des Central Parks begonnen. Nach 16 Jahren Bauzeit war schließlich ein 860 Meter breiter und etwas über 4 Kilometer langer Volkspark fertiggestellt. Den 15 Millionen Besuchern pro Jahr stehen heute ein Zoo, ca. 900 Parkbänke, 36 Brücken sowie sieben unterschiedlich große Seen zur Erholung und Freizeitgestaltung zur Verfügung.[13] Kein Wunder also, dass wir uns ohne Navi-Unterstützung fast verlaufen hätten. 🙂


Der Tag neigt sich dem Ende. Ein letztes Highlight haben wir uns für den Abend aufgehoben: Wie wär es, New York noch einmal aus einer anderen Perspektive zu sehen? Vielleicht von oben? Und vielleicht bei Sonnenuntergang? Die Aussichtsplattform „Top of the Rock“ scheint uns dafür genau der richtige Ort zu sein. Sie befindet sich im 69. Stock des GE (General Electric) Buildings, das Teil des Rockefeller Centers ist und in dem u. a. der Fernsehsender NBC einige seiner wichtigsten Sendungen ausstrahlt. Davon abgesehen ist das Rockefeller Center vor allem für seine Freiluftfläche bekannt: Im Sommer lädt sie zum Kaffeetrinken ein und im Winter zum Eislaufen sowie zum Bewundern des berühmt-berüchtigten Weihnachtsbaums.
Voller Vorfreude stellen wir uns in die Warteschlange für den Ticketverkauf ($27 pro Person). Als wir währenddessen eine große Anzeigetafel mit Uhrzeit über den Countern sehen, dämmert es uns: Jedes Ticket zum Top of the Rock ist nur für eine bestimmte Einlasszeit gültig. Unseren Plan, auf der Plattform den Sonnenuntergang zu bewundern, werden wir nicht in die Tat umsetzen können, da die Uhr bereits „21:00“ anzeigt. Die Ticketnachfrage ist an diesem Abend so groß, dass wir Glück haben, überhaupt noch hoch zu dürfen. Aber erst um 22:00 Uhr – in 3 Stunden!
Doch das Warten hat sich gelohnt: Trotz später Stunde werden wir mit einem atemberaubenden Blick über die dunkle und gleichzeitig hell erleuchtete Stadt belohnt. Der nur wenige Stunden zuvor besichtigte Central Park zeigt sich als das unverkennbare schwarze Loch inmitten des Lichtermeers. Ein wunderbarer Ausklang für einen Tag in der Stadt, die niemals schläft.

Unser Fazit: New York ist die Stadt der Superlative, Gegensätze und Geheimnisse. Jedes Gebäude versucht ein anderes in Alter, Höhe, Baustil oder Historie zu übertreffen. Der Kontrast zwischen Wolkenkratzern und kleinen Kirchen, zwischen Art-Déco- und Beaux-Arts-Gebäuden sowie zwischen schattigen Häuserschluchten und sonnigen Stadtgärten macht New York in unseren Augen einmalig.
Es gibt so viel zu sehen und zu erleben, dass man weit davon erfernt ist, alles an einem Tag zu schaffen. Am besten man lässt sich einfach von den Menschen und der Stadt treiben. Und dafür ist nicht viel Geld nötig. Viele Sehenswürdigkeiten wie Macy’s, das Grand Central Terminal, der Grand Central Park, die New York Public Library, der Trump Tower oder die vielen kleinen Kapellen sind kostenfrei zugänglich. Das dabei gesparte Geld lohnt sich anschließend in ein „Top of the Rock“-Ticket zu investieren, um alles nochmal von oben zu sehen. Aber wie wir erfahren haben, ist es ratsam, das Ticket bereits vorab zu kaufen und die Einlasszeiten zu berücksichtigen. 😉
Quellenangaben:
[1] https://lovingnewyork.de/shopping/macys-new-york-shopping-guide/ (letzter Abruf: 24.06.2019)
[2] https://www.usatipps.de/bundesstaaten/mittelatlantik/new-york/new-york-city/empire-state-building/ (letzter Abruf: 24.06.2019)
[3] https://www.nypl.org/help/about-nypl (letzter Abruf: 24.06.2019)
[4] https://de.tishmanspeyer.com/properties/the-metlife-building (letzter Abruf: 24.06.2019)
[5] https://www.newyorkcity.de/grand-central-terminal-in-new-york/ (letzter Abruf: 24.06.2019)
[6] https://www.newyorkcity.de/waldorf-astoria-hotel/ (letzter Abruf: 24.06.2019)
[7] http://diamonddistrict.org/ (letzter Abruf: 24.06.2019)
[8] Reiseführer New York, TRAVEL HOUSE MEDIA, 2014, ISBN 978-3-8464-9724-1, Seite 127
[9] https://www.21club.com/history (letzter Abruf: 24.06.2019)
[10] https://www.moma.org (letzter Abruf: 24.06.2019)
[11] https://www.bloomberg.com/features/2016-trump-tower/ (letzter Abruf: 26.06.2019)
[12] http://www.new-york-infoguide.de/sehenswuerdigkeiten/trump-tower.htm (letzter Abruf: 26.06.2019)
[13] https://www.planet-wissen.de/kultur/metropolen/new_york/pwiecentralpark100.html (letzter Abruf: 26.06.2019)