Amerika 2014 // Tag 5: Good Morning, San Francisco!

Nach der langen und anstrengenden Anreise starten wir ein wenig verschlafen, aber sehr gut gelaunt in den nächsten Tag. Unser erster Morgen in San Francisco! Pläne, was wir alles unternehmen wollen, gibt es zuhauf. Doch mit leerem Magen lassen sie sich nur schwer in die Tat umsetzen. Also, erster Tagesordnungspunkt: „Frühstücken“. Zu unserer Überraschung bietet unser Hotel genau das an (für amerikanische Verhältnisse nicht selbstverständlich).

Eine aufregende Busfahrt

Der beste Weg nach San Francisco Downtown ist per Bus – zumindest wird uns das an der Rezeption im Hotel geraten. Die nächste Haltestelle liegt nur fünf Gehminuten entfernt. Aber Abfahrtspläne scheinen eine Marotte der Deutschen und ihrer Pünktlichkeit zu sein. Somit stellen wir uns etwas unsicher an den Straßenrand und warten einfach mal ab. Tatsächlich, nach kurzer Zeit rauscht unser Bus heran.

Die halbstündige Fahrt ins Zentrum ist sehr aufregend. Links und rechts gibt es so viel zu sehen, dass unsere Augen zu leuchten beginnen. Denn man darf nicht vergessen, es ist unsere erste Reise ins „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“. Wir sind immer noch überwältigt von den Dimensionen und den irgendwie für deutsche Verhältnisse untypischen Gegebenheiten.

Zurück zur Busfahrt. Irgendwann wird uns bewusst, dass wir eigentlich gar nicht wissen, wo genau wir aussteigen wollen bzw. sollen. Das Handy gibt uns dank GPS eine erste Orientierung. Als wir schließlich durch das Fenster mehrere Hochhäuser und das Geschäft „Bloomingdales“ erblicken, ist es an der Zeit. Damit der Bus hält, ziehen wir die Reißleine am Fenster und stehen kurz darauf auf einem Bürgersteig irgendwo mitten in San Francisco.

Auf der Suche nach den Cable Cars

Unsere ersten Schritte führen uns geradewegs in die Yerba Buena Gardens, eine Parkanlage umsäumt von Hochhäusern und einer Kirche. Sehr hübsch, aber unser eigentliches Ziel ist ein ganz anderes: Die gelben Cable Cars – das Wahrzeichen von San Francisco. Wie ein kleines Kind freue ich mich auf die erste Fahrt. Einmal die steilen Straßen hoch- und runterfahren, und sich wie im Film fühlen.

Aber von den Cable Cars fehlt jede Spur. Nachdem wir ein wenig orientierungslos von einem Automaten und Schilderwald zum nächsten laufen, erfahren wir an einem Fahrkarten-Schalter endlich, was los ist. Die Cable Car-Fahrer streiken gerade und man wisse nicht, wann der Streik vorbei ist.

San Francisco OHNE Cable Car?! Wir können es kaum glauben und sind natürlich mehr als betrübt. Mal davon abgesehen, dass wir übermorgen bereits weiterreisen müssen, wie erkunden wir die riesige Stadt mit ihren steilen Straßen? Genau, zu Fuß – denn uns bleibt nichts anderes übrig.

Immer der Nase nach…

Vorbei an der Federal Reserve Bank of San Francisco gelangen wir schließlich zum Justin Herman Plaza und zum Ferry Building, von dem regelmäßig Fährverbindungen nach Sausalito und Larkspur gehen. Im Ferry Building bzw. dem dortigen Marketplace trauen wir unserer Nase nicht. In der einen Ecke riecht und duftet es besser als in der anderen – von frischem Brot über orientalische Kräuter bis hin zu den verschiedensten Käsesorten. Und alles sieht so unglaublich lecker aus!

Eigentlich wollen wir von allem direkt probieren und verweilen an jedem Stand minutenlang mit großen Augen – und knurrendem Magen. Schließlich entscheiden wir uns für ein frisch zubereitetes Baguettesandwich, das wir am Pier mit Blick auf die doppelstöckige, jeweils fünfspurige Oakland Bay Bridge genießen.

Begleitet von traumhaftem Sonnenschein führt uns unser Weg entlang der zahlreichen Piers weiter zum Fisherman’s Wharf. Der Fußmarsch dorthin ist sehr unterhaltsam und anschaulich. Insbesondere die Erläuterungen zur Korrosionsentwicklung („Rust under the Pier“) und die übermenschlich großen Schaltkreise beeindrucken uns.

Kuriositäten am Pier

Nach ca. einer Stunde kommen wir am Fisherman’s Wharf an, dessen kommerzielle Ausrichtung nicht zu übersehen ist. Wie der Name vermuten lässt, tummelten sich hier einst Fischerboote und Werften. Im Laufe der Zeit mussten sie jedoch Privatyachten, Bars und Boutiquen weichen. Die Einkaufsmeile erinnert an einen Freizeitpark mit Aquarium sowie Musicaltheater und lädt uns nicht zum Bleiben ein.

Stattdessen begeben wir uns zum nahe gelegenen Pier 39, wo eine tierische Überraschung auf uns wartet. Nach einem Erdbeben im Jahr 1989 haben sich dort aufgrund des großzügigen Hering-Vorkommens eine Herde von Seelöwen angesiedelt. Wenn man von dem fürchterlichen Gestank einmal absieht, ist es tatsächlich ein Kuriosum. Die Robben liegen über den ganzen Sommer auf schwimmenden Holzplatten und strecken genüsslich ihre Schnauzen in die Sonne. Herrlich!

Ein paar Schritte weiter ist in der Ferne die Gefängnisinsel Alcatraz zu sehen, deren Anblick bei uns ein Gefühl von Bewunderung und Beklemmung zugleich hervorruft. Aufgrund der täglichen Touristenanstürme verzichten wir auf einen persönlichen Besuch.

Weiter (Richtung Golden Gate Bridge) wollen uns unsere Füßen zu fortgeschrittener Stunde nicht mehr tragen. Die letzten Kraftreserven sparen wir uns für den Rückweg auf. Dieser führt uns nicht erneut entlang der Piers, sondern über die „San Francisco Hills“ nach Chinatown. Wie bereits in New York ist das ein toller Stadtteil; fast eine Art eigene Welt, in die man nach dem Überqueren einer absolut unscheinbaren Straße plötzlich einfach so eintritt.


Unser Fazit: Die Busfahrt ins Zentrum von San Francisco ist sehr empfehlenswert. Ohne auf den Verkehr und die für uns vielleicht eher unkonventionellen Fahrpraktiken der Amerikaner achten zu müssen, kann man sich ganz den vielen Eindrücken der Großstadt hingeben. Und das Beste: Man befindet sich direkt Mittendrin, die nervige Parkplatzsuche bleibt einem erspart.

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